Erstes Pilotprojekt in Deutschland zum Bedingungslosen Grundeinkommen gestartet

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Die Langzeitstudie wird von derzeit rd. 141.000  privaten SpenderInnen finanziert

Die derzeitige Debatte um das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist geprägt von ideologischen Glaubenssätzen. Das soll jetzt anders werden: Eine gemeinsame Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und des Vereins Mein Grundeinkommen will empirische Maßstäbe und Erkenntnisse einbringen.  „Wir wollen herausfinden, wie ein Bedingungsloses Grundeinkommen Menschen und Gesellschaft verändert. Wir wollen wissen, was es mit Verhalten und Einstellungen macht und ob das Grundeinkommen helfen kann, mit den gegenwärtigen Herausforderungen unserer Gesellschaft umzugehen“, sagte Michael Bohmeyer, Initiator des Vereins Mein Grundeinkommen, heute auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Geplant ist, 120 TeilnehmerInnen über drei Jahre jeweils 1.200 Euro monatlich auszuzahlen – bedingungslos. Am heutigen 18. August ist hierfür die Bewerbungsphase gestartet. Die TeilnehmerInnen müssen keine Bedürftigkeit belegen und können unbegrenzt Geld hinzuverdienen, wenn sie wollen.
Die Studie soll erstmals Grundlagenforschung zum BGE liefern. „Wir wollen z.B. herausfinden, ob das Grundeinkommen die Menschen und die Gesellschaft widerstandsfähiger gegenüber Krisen macht“, sagte Michael Bohmeyer.

Michael Bohmeyer; Foto: Pilotprojekt Grundeinkommen

Eine Million BewerberInnen haben die Chance teilzunehmen
Die Bewerbung zur Teilnahme ist für alle möglich, die ihren ersten Wohnsitz in Deutschland haben und mindestens 18 Jahre alt sind. Zur Bewerbung muss ein dreiminütiger Fragebogen mit Kontaktinformationen, Angaben zu Geschlecht, Kinderanzahl und Anzahl der Personen im Haushalt sowie einigen Daten zur Lebenssituation, wie den höchsten erworbenen Schulabschluss, Nettoeinkommen und den Erhalt von Sozialleistungen, ausgefüllt werden. Die Studie startet, sobald sich eine Million Menschen unter www.pilotprojekt- grundeinkommen.de zur Studienteilnahme beworben haben. Diese große Zahl ist notwendig, da die Datenqualität enorm verbessert wird, wenn die Grundmenge der BewerberInnen, aus der die TeilnehmerInnen ausgewählt werden, möglichst groß und vielfältig ist. Finden sich weniger als eine Million BewerberInnen, kann die Studie aber trotzdem starten. In diesem Fall endet die Bewerbungsfrist am 10. November 2020.
Die Auszahlung der Grundeinkommen beginnt im Frühling 2021. Die TeilnehmerInnen werden im dreijährigen Studienzeitraum jeweils sechs Onlinefragebögen ausfüllen, welche unter anderem Fragen zur Erwerbstätigkeit, Zeitverwendung, dem Konsumverhalten, Werten und der Gesundheit enthalten.

Zivilgesellschaftliche Finanzierung
Das Besondere an der Studie ist, dass sie durch Spenden von rd. 141.3oo Privatpersonen finanziert wird, die momentan 618.720 Euro im Monat an den Verein Mein Grundeinkommen spenden. Ab dem Studienstart werden rund 23 Prozent dieser Spenden für die vollständige Finanzierung der Studie verwendet. Die Finanzierung durch private Spenden sichert die politische Unabhängigkeit der Studie. 

Hintergrund
Initiiert wurde die Studie vom gemeinnützigen Verein Mein Grundeinkommen. Seit der Gründung im Jahr 2014 sammelt der Verein per Crowdfunding Geld, um in einer monatlichen Verlosung bisher über 650 zufällig ausgewählten Personen Ein-Jahres-Grundeinkommen bedingungslos auszuzahlen. Bisher fand der Verein dabei heraus: Die GewinnerInnen lebten gesünder und sozialer, ihr wahrgenommener Stress sank. Da die einjährigen Versuche nur begrenzt aussagekräftig sind, suchte sich der Verein mit dem DIW Berlin einen Partner für eine umfassendere Forschung zum Grundeinkommen. Basierend auf den Erkenntnissen des Vereins, formulierten die WissenschaftlerInnen des DIW Berlins Hypothesen zu den potentiellen Auswirkungen des BGEs auf Einstellung und Verhalten von Menschen, um diese in der Studie auf den Prüfstand zu stellen.
Weitere 
Infos: www.pilotprojekt-grundeinkommen.de
Hinweis: Das Thema „Bedingungslose Grundeinkommen“ haben wir seit 2016 auch auf MIT zu unterschiedlichen Anlässen ausführlich behandelt; insbesondere wird auf die Beiträge vom 19.2.2016, 31.5.2016 und 3.5.2020 verwiesen
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