Denn es gibt nur eins: „Nur der BVB! Aber nur der BVB!”Interview mit Borussen Bernie

Fans vom BVB ist er seit rund drei Jahren sehr gut bekannt: Borussen Bernie, dessen lautstark vorgetragene Kommentare vor und nach den Spielen von Borussia Dortmund regelmäßig auf radio 91.2 und bei youtube zu hören sind. 

Bernie’s Kommentar nach dem BVB-Spiel gegen Leipzig

Mengede:InTakt! hatte Gelegenheit sich mit Borussen Bernie zu unterhalten, um etwas mehr über ihn selbst, seine Sprüche und Ideen zu erfahren.

Dass Borussen Bernie ein Kind des Ruhrpotts und waschechter BVB-Fan ist, hört man an seiner Sprache und an seinen immer treffenden, mit jeder Menge Humor servierten Kommentaren.

Er spricht immer das aus, was BVB-Fans vor und nach den Spielen denken. Mit Formulierungen, wie „Paragraph 1“ für Bayern München nach der denkwürdigen Pressekonferenz von Rummenigge und Hoeness, die seinerzeit aus dem Grundgesetz zitierten, oder „Wenig Puls-Favre“ für den ehemaligen, immer ruhig und sachlich auftretenden, früheren BVB-Trainer, hat er sogar Spitznamen geschaffen, die auch bei BVB-Fans sehr beliebt sind.

Mengede:InTakt!: Dass Du überzeugter BVB-Fan bist, ist natürlich jedem Deiner Hörer klar. Wie bist Du eigentlich auf die Idee gekommen, regelmäßig als „Borussen Bernie“ die Spiele und das Geschehen beim BVB zu kommentieren?

In drei Schichten “an der Schüppe”

Borussen Bernie: Also wenn man sich meine Vita ansieht, dann hat man ja schon fast die Erklärung für meine BVB-Begeisterung. Ich wohne in Wetter an der Ruhr und das ist nun mal ganz klar BVB-Gebiet. Bin quasi im Stahlwerk groß geworden, habe mit meinem Vater dort gearbeitet und bin heute immer noch beim gleichen Stahlkonzern im Drei-Schichten-Betrieb beschäftigt. Ich habe selbst in der Kreisliga auf Asche Fußball gespielt und in 1975 hat mich mein Vater dann zum ersten Mal zu einem BVB-Heimspiel mitgenommen. Das war noch zu Zeiten der Zweiten Liga, mit Burkhard Segler, Peter Geyer und vielen anderen tollen Spielern. Otto Rehagel war der Trainer. Und da war es dann geschehen – BVB-Fan ein Leben lang. 

Die Sache mit Borussen Bernie hat sich dann so entwickelt, dass ich für meine Freunde auf WhatsApp nach den Spielen oft meine Gefühlswelt preisgegeben habe. Also meine Freude über einen Sieg, Verärgerung oder Trauer nach einer Niederlage. Und dann ist irgendwann einer meiner WhatsApp-Kommentare auf youtube gelandet. Am nächsten Montag wurde ich darauf hin von einem Freund angerufen und gefragt, „weißt Du eigentlich, dass Dein Kommentar von den Klickzahlen her, bei youtube gerade durch die Decke geht?“ Das hatte ich, ehrlich gesagt, überhaupt nicht mitbekommen.

Mit YouTube gelang der Durchbruch

Danach wurde ich mehrfach angesprochen und alle Leute haben gesagt: „Das war Klasse, kannst Du sowas nicht noch einmal machen?“ Das habe ich dann getan und plötzlich wurden meine WhatsApp-Nachrichten nach überall hin weitergeleitet. Sie erschienen dann auch regelmäßig auf youtube und da habe ich mir gedacht, dann kann ich sie auch selbst bei youtube einstellen. So hat sich das entwickelt und ich bin da mit meinen Kommentaren ungeplant in eine Nische hinein gerutscht, die es bisher noch nie in dieser Form gab. Ich kommentiere als Borussen Bernie jetzt schon das dritte Jahr und bisher gibt es bei anderen Fußballvereinen keinen einzigen Nachahmer, der etwas Ähnliches macht. Ich bin vor kurzem auch von einer Münchener Firma angesprochen worden, die meine Borussen Bernie – Audios als Hörbuch herausbringen möchte. Da laufen noch Gespräche und mal schauen wie das weitergeht.  

Borussen Bernie mit einigen seiner Shopartikel

Mengede:InTakt!: Du beziehst ja in Deinen Kommentaren immer ziemlich deutlich Stellung und nimmst dabei kein Blatt vor den Mund. Wirst Du dann manchmal auch mit Kritik konfrontiert, so im Sinne von „Jetzt übertreibst Du aber“ oder „sowas kann man doch nicht sagen“?

Borussen Bernie: Ehrlich gesagt, am Anfang von Borussen Bernie habe ich schon gedacht, dass wird höchstens einige Wochen gut gehen, bis ich die erste Morddrohung möglicherweise von irgendwelchen Fanclubs bekomme (lacht). Man muss sich ja nur ansehen, was heutzutage im Internet für merkwürdige und bedrohliche Kommentare kursieren.

Bernie bleibt sportlich

Ich glaube, ich habe da so eine Art „Mittelding“ gefunden. Ich beleidige niemand, ich bleibe beim rein Sportlichen und gehe grundsätzlich nicht in private Bereiche. Natürlich, wenn ich Mats Hummels „Cathy Hummels“ nenne, ist das natürlich schon ein bisschen privat. Aber ich glaube, Mats selbst hat damit keine Probleme. Natürlich gibt es bei so vielen Hörern immer mal die eine oder andere Kritik, aber das hält sich wirklich in Grenzen, so dass es da noch nie Schwierigkeiten gegeben hat.   

Mengede:InTakt!: Holst Du Dir für Deine Borussen Bernie-Folgen auch Anregungen aus den Kommentaren der Leute im Stadion oder den Fußballfans in der Kneipe?

Borussen Bernie und Norbert Dickel

Borussen Bernie: Ich habe niemanden, der Sprüche für mich verfasst und die ich dann verwerte. Die meisten Sachen, die ich erzähle, beruhen auf eigenen Erfahrungen und Erlebnissen. Und da kommt natürlich viel zusammen, sei es auf der Arbeit, im Urlaub oder auch aus früheren Kabinenansprachen zu meiner eigenen Kreisligazeit. Vieles davon ist bei mir im Gedächtnis hängen geblieben und wenn das dann zu einer Spielsituation im Stadion passt, dann benutze ich das auch. Wenn z.B. ein Spieler aus zwei Meter Entfernung das Tor nicht trifft, dann ist eine Formulierung wie „der steht in Mallorca am Strand und trifft das Mittelmeer nicht“, natürlich origineller und witziger als so ein staubtrockenes „der schießt aus aussichtsreicher Position am Tor vorbei“.     

Mengede:InTakt!: Du bist ja auch im Radio auf dem Dortmunder Sender 91.2 regelmäßig mit Deinen Kommentaren, und Vorberichten wie Deiner „Pöhlervorschau“ zu hören, Wie ist es denn zu dieser Zusammenarbeit gekommen?

Borussen Bernie: Der Geschäftsführer von 91.2, Mathias Scherff, hatte mich damals angesprochen, dass sie meine Beiträge gerne regelmäßig senden würden. Wir haben dann einen entsprechenden Vertrag aufgesetzt. Der gilt jeweils für ein Jahr und ich schicke dem Sender dann immer meistens Donnerstag meine „Pöhlervorschau“ zum nächsten Gegner. Die wird dann in der Regel Freitags morgen so gegen 10 Uhr gesendet. 

Mengede:InTakt!: Erhältst Du bei Deinem Job als Borussen Bernie, also Dinge wie Terminplanung, Social Media-Aktivitäten, Verkauf Deiner Shopartikel, personelle Unterstützung oder regelst Du das alles in Eigenregie?

Borussen Bernie: Also, als Einzelkämpfer kannst Du das gar nicht alles allein stemmen, zumal ich ja auch noch, wie schon erwähnt, berufstätig bin. Die Social Media-Aktivitäten übernimmt ein Freund. Da beschränke ich mich wirklich auf meine Rolle als Sprecher. Ich habe auch Glück, dass sich meine Schwägerin, die selbst eine Boutique betreibt, um die Merchandising-Aktivitäten kümmert. 

Mit seiner Pöhlervorschau ist Borussen Bernie regelmäßiger Gast auf radio 91.2

Und alles ist natürlich gewerblich angemeldet und die Einnahmen werden ordnungsgemäß versteuert. Da bin ich wirklich froh und dankbar, dass ich bei allem so hervorragend unterstützt werde. 

Mengede:Intakt!: Bist Du – einmal abgesehen von Corona – regelmäßiger Besucher der BVB-Heim- und Auswärtsspiele?

Borussen Bernie: Was die Heimspiele betrifft, weiß ich gar nicht, wann ich zuletzt einmal nicht dabei war. Auswärtsspiele habe ich früher auch immer so gut wie regelmäßig besucht. Jetzt picken sich meine Jungs und ich so 4-5 Auswärtsspiele heraus, bei denen wir glauben, dass sie sich lohnen würden. Das sind dann Fahrten wie nach Berlin, München oder auch früher Hamburg.   

Mengede:InTakt!: Wirst Du eigentlich oft als Borussen Bernie erkannt und angesprochen? Und ist das manchmal nicht sogar etwas nervend?

Borussen Bernie: Das mit dem Erkennen hat in Dortmund und besonders an Spieltagen in der Tat zugenommen. Letztlich sind wir doch alles Borussen und da nimmt man sich schon einmal gerne in den Arm und macht auch ein Foto. Aber es hält sich zum Glück noch alles in Grenzen und damit kann ich gut leben.

Mengede:InTakt!: Wie sehen denn Deine direkten Kontakte zum BVB aus? 

Borussen Bernie: Also, ich habe ein sehr gutes Verhältnis zum Nobby Dickel, habe mit ihm oft auf Veranstaltungen zusammen auf der Bühne gestanden. Hin und wieder werde ich auch von Firmen als Gast in den Stadion-VIP-Bereich eingeladen. Aber die größte Sache ist mir nach dem Champions League Spiel BVB – Paris Saint Germain oder wie Borussen Bernie sagt, Gucci Paris passiert. Da hat Matthias Sammer neben mir angehalten, um mich nach meiner Meinung zum Sieg zu befragen. Das muss man sich einmal vorstellen. Der große Matthias Sammer, der alle möglichen Titel geholt hat, Europas Fußballer des Jahres war und jetzt als Berater für Borussia Dortmund tätig ist, fragt die Kreisliga Legende Borussen Bernie nach seiner Meinung. Das war für mich schon ein „Entenpelle“-Erlebnis!

Mengede:InTakt!: Der königsblaue Bundesligaverein, 30 km westlich von Dortmund,  kämpft ja im Moment an vielen Fronten, u.a. auch um den Klassenerhalt. Würdest Du es bedauern, wenn es demnächst keine Derbys mehr gibt, falls der Gelsenkirchener Club nicht mehr erstklassig spielen sollte?

Derbys gegen S04 lieber als gegen Hoffenheim

Borussen Bernie: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ganz ehrlich, so eine Backpfeife, dass sie mal für ein Jahr in der zweiten Liga spielen, würde ich denen durchaus gönnen. Das gilt auch für ihren verpassten Rekord mit Spielen ohne Sieg. Borussen Bernie hätte sicherlich gerne etwas über den neuen Vereinsnamen „Tasmania 04“ erzählt. Ich glaube sogar, dass ein Abstieg für den Verein, falls das passiert, vielleicht einmal so eine Art Grundreinigung einleiten würde. Denn ich glaube, dort arbeiten im sportlichen Bereich einige Leute, die wenig Ahnung vom Fußball haben. Da müssten sie sich einfach ganz neu aufstellen, aber das ist natürlich auch eine finanzielle Frage. Ich könnte mir vorstellen, dass sich, falls ein Klassenerhalt in dieser Saison, so mit Tabellenplatz 14 oder 15 gelingt, dann in Gelsenkirchen nicht viel ändern wird. Aber eins ist auch klar: auf Dauer sind mir die Derbys mit Clubs aus der Nachbarschaft natürlich um ein Vielfaches lieber, als Spiele z.B. gegen Hoffenheim oder Wolfsburg. Denn das ist schon etwas anderes, wenn Du morgens aufstehst und weißt, es ist Derby – Tag. Darum wünsche ich mir auch, dass der VFL Bochum wieder aufsteigt, denn ich habe in beiden Städten Freunde.        

Mengede:InTakt!: Zum Abschluss noch eine Frage. Was schätzt Du, wie der BVB am Ende der Saison abschneiden wird? Immerhin tanzt unser Verein mit Meisterschaft, Pokal und CL aktuell ja noch auf drei Hochzeiten.

Borussen Bernie: Das ist natürlich nicht einfach zu beantworten. Aber ich setze da große Hoffnungen in  ET, unseren neuen Trainer Edin Terzic. Man hat ja z.B. beim Spiel in Leipzig vor allem in der zweiten Halbzeit gesehen, was mit unserer Mannschaft alles möglich ist. Das hat ja durchaus an unseren erfolgreichen Spielstil zu Klopp-Zeiten erinnert. Und wenn wir dann Erling Haaland, der ja nun wirklich fast gar nicht zu verteidigen ist, richtig ins Spiel bringen, dann wird es sehr schwer sein, den BVB zu schlagen. Ich hoffe wirklich, dass wir dann demnächst die Vitrine für eine neue Trophäe öffnen können.   

Mengede:InTakt!: Dann vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast und wir wünschen noch viele erfolgreiche Jahre für Dich und den BVB.

Fotos: Privat

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