Erster Internet-Stream in der Geschichte des Heinz-Hilpert-Theaters

Singvögel und Raben waren auch nicht mehr da

Das Heinz-Hilpert-Theater in Lünen.

Seit 1958 gibt es in unserer Nachbarstadt Lünen das Heinz-Hilpert-Theater. Seitdem wird das kulturelle Angebot auch von vielen Mengedern genutzt, sei es für den Besuch von attraktiven Einzelveranstaltungen, sei es im Rahmen eines preiswerten Abos. Inzwischen bietet auch der Heimatverein Mengede regelmäßige Theaterbesuche in Kombination mit einem Theatertreff bei Kaffee und Kuchen vor den Vorstellungen an.

Doch seit dem Corona-Ausbruch ist der kulturelle Austausch ins Stocken geraten. Mit einem Familienkonzert öffnete sich am 8. März 2020 zum letzten Mal in der vergangenen Spielzeit unter regulären Bedingungen der Vorhang. Mit „Let’s go to America“ führte die Neue Philharmonie Westfalen die Zuhörer in die „Neue Welt“. Touristische Reisen dorthin waren zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr möglich. In der gleichen Woche sorgte Corona dafür, dass alle geplanten Vorstellungen im Lüner Theater abgesagt bzw. verschoben werden mussten.

Jürgen Larys und Susanne Hocke vom artEnsemble Theater Bochum.

Im Herbst gab es einige wenige Veranstaltungen unter strengen Auflagen für jeweils 130 Zuschauer, und das bei einer Sitzkapazität von 750 Plätzen. Dann kam der erneute Lock-Down, der von vielen Kulturschaffenden und Kulturrezipienten als Knock-Down empfunden wurde. Seitdem ruht der Betrieb im Lüner Theater. Umso erfreulicher, dass sich jetzt ein Lichtblick zeigt. Das Kulturbüro Lünen präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Theater-Förderverein und dem artENSEMBLE THEATER Bochum, gefördert vom Land NRW, den ersten Internet-Stream in deren Geschichte. Doch es ist keine leichte Kost, die den Rezipienten geboten wird.

Zu sehen ist das Stück “Singvögel und Raben waren auch nicht mehr da”. Es ist die theatrale Bearbeitung eines Augenzeugenberichtes von der ersten Explosion einer Atombombe in der Menschheitsgeschichte über der japanischen Stadt Hiroshima am 6. August 1945.

Der Autor Shigemi Ideguchi erlebte und überlebte dieses Ereignis, das die menschlichen Lebensbedingungen nachhaltig verändern sollte, aus nächster Nähe. Er überlebte ihn gegen alle naturgesetzlichen und statistischen Wahrscheinlichkeiten. Sein “Bericht aus dem Zentrum der Atombombenexplosion” ist bildreich, eindrücklich, immer wieder erschütternd – und zeigt, warum sich dieses Ereignis niemals wiederholen darf. Es sei denn, die Menschheit sei des eigenen Überlebens überdrüssig.

Mit hoher Schauspielkunst und großem Engagement setzen sich Susanne Hocke und Jürgen Larys mit brennenden Problemen auseinander.

Rima Ideguchi, in Bochum lebende Enkelin des Autors, hat diesen unglaublich starken und dichten Text gemeinsam mit ihrem Ehemann Fabian Liedtke übersetzt. Die Produktion des artENSEMBLE THEATERs benutzt formale Anklänge an das japanische Theater, den japanisch zeitgenössischen Tanz “Butoh” und die japanische Musik und hebt das Geschilderte auf eine ästhetische Ebene, die das Geschehen erträglicher macht, ohne dass es seinen Schrecken verlöre. Eingefangen wird dieser Theaterabend filmisch vom Lüner Kulturpreisträger Michael Kubcyk, unterstützt durch seinen Partner Johannes Klais. Die beiden Darsteller Susanne Hocke und Jürgen Larys, die die Bühnenfassung erarbeitet haben, sind ebenfalls Kulturpreisträger.

Diese einzigartige Produktion ist ab Samstag, 27. Februar 2021, 19 Uhr für 48 Stunden über das YouTube-Portal der Stadt Lünen kostenlos verfügbar. Hier der link: 

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In dieser Zeit, wo der Frieden fragiler und die atomare Gefahr gewachsen ist, sollte man sich dieses aufrüttelnde Theaterstück nicht entgehen lassen.

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