Heimatverein Mengede besuchte die Aufführung der „Fledermaus“ in Lünen

Täuschungen, Verwechslungen, amourösen Eskapaden und eingängige Melodien begeisterten die Mengeder Gäste

Von Diethelm Textoris

Mit dem Heimatverein Mengede unterwegs, das bedeutet wandern, Rad fahren, Ausflüge machen oder auch an kulturellen Veranstaltungen teilnehmen. Letzteres stand am vergangenen Sonntag (25.01.) auf dem Programm. Achtzehn Mitglieder bzw. Gäste besuchten eine Vorstellung der Kammeroper Köln im Heinz-Hilpert-Theater in Lünen. Geboten wurde „Die Fledermaus“, die wohl berühmteste Operette von Johann Strauß Sohn. Vor der Aufführung hatten die Seniorenbeiräte von Lünen und Selm zu einem „Theatertreff“ eingeladen, eine vortreffliche Gelegenheit, um sich bei Kaffee und Kuchen in gemütlicher Runde auf die kommende Vorstellung einzustimmen. Zunächst wurde die Gruppe von den Seniorenbeiräten und Lisa Winkelmann vom Lüner Kulturbüro herzlich begrüßt, die sich, nicht zuletzt durch die Vertreter des Mengeder Heimatvereins, über die stattliche Zahl von 50 Gästen freuten.

Besonders erfreut waren alle Anwesenden, dass sich die Dirigentin Esther Hilsberg-Schaarmann vor der Aufführung noch Zeit genommen hatte, die Teilnehmenden des Theatertreffs über die bevorstehende Aufführung zu informieren. Sie erläuterte die Konzeption und Intention der Kammeroper Köln, die sich das Ziel gesetzt hat, hochwertiges Musiktheater (Oper, Operette, Musical) erlebbar zu machen und dabei junge Künstler zu fördern, diese mit älteren und erfahrenen Künstlern zusammenzubringen, so dass alle voneinander profitieren können.  Zur Inhaltsangabe der Fledermaus zitierte sie den inzwischen verstorbenen Dortmunder Schriftsteller Wolfgang Körner: „Jeder macht mit jeder rum und alle landen im Knast- aber nicht deshalb.“ Diese knappe Inhaltsangabe und das Versprechen einer unterhaltsamen fast dreistündigen Aufführung wirkten als Appetitanreger, so dass sich die Treff-Teilnehmer kurz darauf voller Vorfreude unter die knapp 500 Gäste des Heinz-Hilpert-Theaters mischten.

Den musikalischen Vorgeschmack lieferte die berühmte Ouvertüre, in der die später folgenden Melodien in Kurzfassung aneinandergereiht sind und manchmal sogar, wie der berühmte Fledermauswalzer, thematisch mehrfach auftauchen. Dann öffnete sich der Vorhang und das bunte Vielerlei von Täuschungen, Verwechslungen, Situationskomik und vor allem amourösen Eskapaden begann. Das Liebes- und Verwechslungskarussell drehte sich in voller Geschwindigkeit über drei Akte und der Champagner floss in Strömen. Ausklang und Auflösung gab es erst ganz zum Schluss, und das ausgerechnet im örtlichen Gefängnis. Als man schließlich den Schuldigen gefunden hatte, niemand mehr irgendjemandem böse sein musste, stand dem Happy-End nichts mehr im Wege. So endete alles im ausgelassenen Jubel nach Rosalindes Urteilsspruch: „Champagner hat’s verschuldet“.

Dem Ensemble mit dem Regisseur Wolfgang Gratschmaier war es mit der Aufführung gelungen, einen künstlerischen Spagat hinzubekommen: Mit einer flotten und modernen Inszenierung, gespickt mit Regieeinfällen und getragen von Akteuren mit Spielfreude, schauspielerischer und musikalischer Ausdruckskraft, agierend in farbenfrohen Kostümen, haben sie es geschafft, längst vergessene Operettengefühle wieder wach werden zu lassen. Fröhlichkeit und Ausgelassenheit waren die Trümpfe, und bewusste Überzeichnungen und aktuelle Seitenhiebe bis hin zu Putin und Trump taten ihr Übriges. Und auch die Intentionen der Autoren Carl Haffner und Richard Genée, der damaligen Gesellschaft einen Zerrspiegel vorzuhalten und das bis heute aktuelle Thema Doppelmoral zu thematisieren, kamen gut heraus. Pausendiskussionen löste Lucca Segger als Prinz Orlowsky aus. „Er spricht wie ein Mann und singt wie eine Frau“, stellte Angelika Auer aus der Wandergruppe des Heimatvereins fest. In der Tat schaffte es der Countertenor mühelos, in stimmlichen Höhen zu gelangen und die Illusion einer singenden Mezzo-Sopranistin zu schaffen. Strauß selbst hat die Rolle als „Hosenrolle“ angelegt, eine Frau sollte in Männerkleidung spielen und singen. Und ein besonderer Regieeinfall sorgte für eine spezielle Illusion: Für den erkrankten Tyler Steele in einer der Hauptrollen als Eisenstein, der spielen, aber nicht singen konnte, sang Tenor Burkhard Solle von der Bühnenseite in Harmonie mit dessen Gesten und Mundbewegungen.

Und wer sie zunächst vermisst hatte, dem wurden nach der Pause auch noch mehrere Tänze geboten. Für das perfekte Operettengefühl sorgten auch die im Orchestergraben agierenden knapp 30 Kölner Symphoniker, die die Sängerinnen und Sänger einfühlsam begleiteten und die unterschiedlichsten Klänge und Rhythmen, vom Walzer bis zum Czárdás, von der Arie bis zum Gassenhauer, gekonnt in den Theatersaal transportierten. Stehend und mit Begeisterungsrufen verabschiedete das Publikum das Ensemble. Dem verdienten Applaus schlossen sich die Gruppe vom Heimatverein Mengede aus voller Überzeugung an.  

Fotos: Diethelm Textoris