Tschernobyl nervt  – Eine Kolumne von Peter Grohmann

Tschernobyl nervt 

Von Peter Grohmann

Keine Frage, dass man auch den links-grün versifften Hirnen eine Spülung wünschen tät. Angesichts der miesen Nachrichten aus allen Erdteilen, den bei Lidl und Aldi gehandelten Untergangs-Szenarien und dem klassenübergreifenden politischen Missmut fehlt es den demokratischen Kräften an erholsamen Tiefschlaf: Man wacht erholt auf, spuckt in die Hände und packt an. Stattdessen Jammer bei den Geisteswissenschaften: Kein Schwein ruft mich an. Die Ingenieure biegen gleich rechts ab und schwören Stein und Bein, dass es die Technik schon richten wird. Mehr als je leiden die Gesellschaften und ihre Angehörigen heute an Gedächtnisverlust, Verwirrtheit und Persönlichkeitsveränderungen: Es fehlt an Tiefschlaf, es fehlt an Tagträumen, an Überzeugungskraft für bessere Zeiten. Kein Wunder bei den Sauereien auf der Welt. 

Nehmt doch nur mal Tschernobyl – und jetzt kein Wort zu Fukushima, Harrisburg oder der geologischen Zeitbombe Neckarwestheim: kommt Zeit, kommt Rat. Die Männerpartei AfD etwa überwindet die Grenzen alter Milieus und hält die Demokratie auf Abstand, verkürzt aber den zur CDU/CSU. Atomfreunde aller Länder, vereinigt euch. 

Die Lage in Tschernobyl reicht öffentlich-rechtlich eben mal für ein Viertelstündchen mit Geiger-Erzähler vor Ort. Nach dem Drohneneinschlag vor zwei Jahren steigen die Reparaturkosten für die kaputte Schutzhülle auf wenigstens 500 Millionen Euro – halb soviel wie die Sanierung der Stuttgarter Oper. Ein Deal! Skeptiker sehen schwarz: 4 bis 6 Opern, ohne Beleuchtung.

Logisch: Die Ukraine kann den Sarkophag nicht allein stemmen, aber auf der anderen Seite (westwärts) kriegen die milieugeschädigten G-7-Staaten ja nicht mal den Arsch hoch, um ausreichend Mittel für Pflegekräfte, Altenheime und Krankenhäuser zu generieren. Wie tröstlich: Die aktuelle Strahlenbelastung in Deutschland durch Tschernobyl ist noch zu gering für Alarm, aber man weiss: Ein großflächiger Schutz in Mitteleuropa gegen eine neue Wolke ist eh‘ sehr schwierig; Experten raten im Notfall zu Tiefschlaf im Endlager.

Meine Omi Glimbzsch in Zittau spottete schon damals in Zittau/DDR): „Alle 100 000 Jahre ein Atomunfall? Wie schnell doch die Zeit vergeht!“ 

Peter Grohmann * ist Kabarettist und Koordinator der AnStifter. Wir danken ihm für die Zustimmung zum Abdruck dieser Kolumne.
* peter-grohmann@die-anstifter.de