Echte Stärkung für Familien: Lotsendienste in Dortmunder Geburtsklinken mit Qualitätssiegel zertifiziert

© Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Der Qualitätsverbund Babylotse e.V. hat das Jugendamt der Stadt Dortmund und alle drei Dortmunder Geburtskliniken mit seinem Qualitätssiegel zertifiziert. Die Dortmunder Einrichtungen arbeiten nach den Qualitätsvorgaben des bundesweiten Babylotsen-Programms.

Das Jugendamt kooperiert seit Jahren mit den Dortmunder Geburtskliniken im Bereich der Frühen Hilfen. So können sich werdende Eltern bereits vor der Geburt oder in der Zeit danach umfassend über Beratungs- und Unterstützungsangeboten informieren.

„Gerade in der sensiblen Zeit der Schwangerschaft nehmen werdende Mütter und Väter passgenaue Hilfen gerne an, da der neuen Lebensabschnitt viel Neuorientierung mit sich bringt. Da nehmen Babylotsinnen eine wichtige Rolle ein in Bezug auf Aufklärung und Unterstützung“, sagt der Leiter des Jugendamts Jan Schröder.

Verlässliche und professionelle Unterstützung für Familien

Mit dem Qualitätssiegel soll eine nachhaltig qualitative Arbeit in den Kliniken gesichert werden. Ziel ist es, Familien – unabhängig vom Wohnort oder der betreuenden Einrichtung – eine verlässliche, gleichwertige und professionelle Unterstützung zu bieten.

„Die Zertifizierung macht uns stolz und bestärkt uns in unserer täglichen Arbeit. Sie zeigt, dass unsere Arbeit fachlich fundiert ist und spürbar zur Unterstützung junger Familien beiträgt. Für das Klinikum Dortmund bedeutet sie zugleich einen weiteren Schritt hin zu einer noch stärkeren und familienorientierten Versorgung für alle Familien rund um die Geburt“, sagen Nicole Freitag und Julia Wienkotte, Babylotsinnen im Klinikum Dortmund.

In Dortmund wird das Babylotsen-Programm seit dem Jahr 2020 umgesetzt. Dafür kooperieren die Frühen Hilfen und das Förderprogramm „kinderstark – NRW schafft Chancen“ des Jugendamtes mit den Geburtskliniken im Klinikum Dortmund, St. Johannes Hospital und St. Josefs Hospital Dortmund. Speziell geschulte Babylotsinnen sind direkt in den Kliniken tätig und nehmen frühzeitig Kontakt zu (werdenden) Eltern auf – möglichst schon vorgeburtlich oder rund um die Geburt ihres Kindes.

Frühe Unterstützung in einer sensiblen Lebensphase

Die Geburt eines Kindes bringt für Familien viele Veränderungen mit sich. Neben Freude und Glück können auch Unsicherheiten, organisatorische Herausforderungen oder belastende Lebenssituationen auftreten. Genau hier setzt das Babylotsen-Programm an: Es bietet niedrigschwellige, freiwillige und kostenfreie Beratung direkt vor Ort in den geburtshilflichen Abteilungen.

Babylotsinnen informieren über lokale Unterstützungsangebote, helfen bei der Orientierung im Hilfesystem und vermitteln bei Bedarf gezielt an weiterführende Hilfen – beispielsweise zu Familienhebammen, Beratungsstellen oder sozialen Diensten. Dabei stehen die individuellen Bedürfnisse der Familien stets im Mittelpunkt.

Prävention und Chancengleichheit

Ein zentraler Ansatz des Programms ist die Vorbeugung, die durch eine möglichst lückenlose kommunale Präventionskette gewährleistet ist. Das Jugendamt Dortmund hat den Auftrag, passgenaue Angebote entlang der Lebensphasen von (werdenden) Familien zu initiieren und zu verstetigen. Durch den direkten Zugang zu Familien bereits während der Schwangerschaft und unmittelbar nach der Geburt können Unterstützungsbedarfe der Eltern bereits in der Klinik erkannt und passgenaue Hilfen eingeleitet werden. Dies trägt dazu bei, Belastungssituationen zu reduzieren und die gesunde Entwicklung von Kindern nachhaltig zu fördern.

Insbesondere Familien in herausfordernden und benachteiligten Lebenslagen profitieren von der Arbeit der Babylotsinnen in Dortmund. Damit leistet das Programm einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit und stärkt die gesellschaftliche Teilhabe von Anfang an.

Erfolgreiche Zusammenarbeit als Schlüssel

Der Erfolg des Babylotsen-Programms in Dortmund basiert maßgeblich auf der engen Zusammenarbeit zwischen dem Jugendamt, den Geburtskliniken und den zahlreichen Netzwerkpartner*innen der Frühen Hilfen. Kurze Wege, abgestimmte Prozesse und ein vertrauensvoller Austausch ermöglichen eine effektive und zielgerichtete Unterstützung der Familien.

„Die Zeit rund um die Geburt ist für viele Familien eine besonders prägende und zugleich sensible Phase. Mit dem Babylotsen-Programm können wir frühzeitig unterstützen und sicherstellen, dass Familien genau die Hilfe erhalten, die sie benötigen“, erklärt Dr. med. Christoph Hemcke, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im St. Josefs Hospital Dortmund.

Der Mehrwert, den die Arbeit der Babylotsinnen bringt, zeigt sich oft in der praktischen Arbeit im Alltag: „Viele Eltern wissen in den ersten Tagen nach der Geburt gar nicht, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt oder trauen sich nicht, Hilfe anzunehmen. Wir Babylotsinnen nehmen systematisch alle Familien wahr und leiten belastete (werdende) Familien zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten, um den Start für ein gelingendes Aufwachsen zu ermöglichen. Wir gehen aktiv auf sie zu, hören zu und vermitteln genau die Angebote, die wirklich zu ihrer Lebenssituation passen“, sagt Birgit Großmann, Babylotsin im St. Josefs Hospital Dortmund.

Ausblick und wissenschaftliche Relevanz

Das Babylotsen-Programm ist ein bundesweites Erfolgsmodell. „Es ist für die jungen Familien in unserem Klinikum ein großer Gewinn. Die Zusammenarbeit mit unseren Babylotsinnen und den Frühen Hilfen im Jugendamt trägt das Gesamtkonzept, die Weiterentwicklung ist ein stetiger Prozess“, sagt Andrea Besendorfer, Pflegewissenschaftlerin im Klinikum Dortmund.

Studien belegen, dass der Einsatz von Lotsendiensten sinnvoll ist. Durch den Einsatz von Babylotsinnen wird die Versorgung von psychosozial belasteten Familien verbessert. Dabei geht die Betreuung weit über die Bearbeitung medizinische Belange hinaus. Auch das medizinische Personal wird durch die Arbeit der Lotsinnen entlastet.

„Daher sollte das Handlungsfeld der Babylotsinnen weiter ausgebaut und langfristig durch Regelfinanzierungen gesichert werden. Der Erhalt des Qualitätssiegels hat dazu einen wichtigen Beitrag geleistet“, sagt Sabine Janowski, Koordination Frühe Hilfen im Jugendamt.