Aus aktuellem Anlass – Donald Trump ist kein Unikat
Von Diethelm Textoris
In diesen Tagen, und zwar am 14. Juni 2026, feiert(e) der amerikanische Präsident Donald Trump seinen 80. Geburtstag. Blickt man zurück auf seine erste Amtszeit vom 2017 bis 2021 und die bisherige Zeit seiner zweiten Amtszeit seit 2025, so kann man eine nicht enden wollende Anhäufung von Merkwürdigkeiten und Widersprüchlichkeiten in seinem persönlichen Gebaren und seiner Amtsführung feststellen. Letztere ist gekennzeichnet von einem Bruch mit politischen und diplomatischen Traditionen, für die es unzählige Beispiele gibt. Er bevorzugt das Regieren per Dekret unter Umgehung der parlamentarischen Institutionen. Regierungsentscheidungen werden per Sozial Media bekannt gegeben. Er hat die Dehnung von Fakten instrumentalisiert, setzt falsche, missverständliche oder irreführende Behauptungen in Umlauf und ist auch von gegenteiligen Beweisen nicht zu überzeugen. Er scheut sich nicht vor Eingriffen in die Pressefreiheit und diffamiert etablierte Medien. Er bricht internationale Abkommen, kritisiert Verbündete massiv und hat immer wieder lobende Worte für Autokraten, um nur einige Beispiele zu nennen.
Da stellt sich die Frage: Ist dieser Präsident ein Ausrutscher der Geschichte, eine Ausnahme in der langen Reihe demokratisch orientierter und staatsmännisch agierender US-Präsidenten?
Der Blick zurück in die amerikanische Geschichte zeigt ein anderes Bild. Der zeigt nämlich, dass es vor ihm schon eine ganz Reihe von Präsidenten gegeben hat, die sich durch Skurrilität, Marotten, autoritäre Charakterzüge oder Merkwürdigkeiten auszeichneten.
Der vielleicht ähnlichste Vorläufer Trumps war der 7. Präsident, Andrew Jackson, dessen Amtszeit von 1829 bis 1837 ging. Er inszenierte sich genau wie Trump als Kämpfer für den „kleinen Mann“ gegen eine korrupte politische Elite. Er war extrem empfindlich gegenüber Kritik, rachsüchtig und neigte zu unkontrollierten Wutausbrüchen. Er missachtete die Institutionen und ignorierte Urteile des Obersten Gerichtshofes.
Theodore Roosevelt, 26. Präsident von 1901 – 1909, hatte wie Trump ein übersteigertes Geltungsbedürfnis und wollte ständig im Rampenlicht stehen. Er verachtete gewachsene Parteienstrukturen. Ähnlich wie Trump nutzte er ein Attentat zur Selbstdarstellung. Mit einer Kugel in der Brust hielt er mit blutverschmiertem Hemd noch eine 90-minütige Rede, bis der sich ins Krankenhaus begab.
Ein oft Grenzen überschreitendes Verhalten wird Lyndon B. Johnson (36. Präsident von 1963 -1969) nachgesagt, der damit seine Macht nach außen trug. Er schüchtere Mitarbeiter und Senatoren ein, indem er sich vor ihr Gesicht stellte und sie anschrie. Er hielt politische Meetings ab, während er auf der Toilette saß und bewegte sich des Öfteren nackt im Weißen Haus.
Viele von uns werden sich noch an die sogenannte „Watergate Affäre“ erinnern, die eng mit Richard Nixon, dem 37. Präsidenten der Vereinigten Staaten verbunden ist. Die Aufdeckung offenbarte den Missbrauch von Regierungsvollmachten, illegale Spionage und Vertuschungen. Nixon trat zurück, um einer Amtsenthebung zu entgehen. Von seinem Nachfolger Gerald Ford wurde er begnadigt, mehrere seiner Berater mussten ins Gefängnis. Auch hier Parallelen zu Trump: Nixon führte eine geheime Liste seiner „Feinde“, die er daraufhin vom FBI und Steuerbehörden schikanieren ließ.
Eine schillernde Persönlichkeit war auch der 29. Präsident Warren G. Harding. In Amt war er intellektuell total überfordert. Beim Pokerspielen verspielte er das Tafelsilber des Weißen Hauses, seine Saufkumpane wurden von ihm in höchste Staatsämter berufen.
Man erkennt viele Parallelen, die durchaus des Schluss zulassen, dass Donald Trump keine geschichtliche Entgleisung, sondern nur ein weiteres Glied in der Kette skurriler, spleeniger und exzentrischer US-Präsidenten ist. Wer sich ausführlicher und noch intensiver mit dieser Reihe von Präsidenten beschäftigen möchte, dem sei das Buch des Historikers Ronald D Gerste empfohlen:
„Cowboys, Trinker, Sonderlinge. Die 13 seltsamsten Präsidenten der USA.“