
Der Würger
Von Peter Grohmann
Eine Zahl schleicht ums Weiße Haus: 8647. Ein Geheimcode? Ein Hinweis auf Verschwörer? Weltuntergang doch schon morgen? Trump bestreitet alles: Nie sah die Welt rosiger aus als 2026. Dennoch Verunsicherung, Rätselraten, Straßensperren, Ermittler.
Steht die 86 für 1986 – Tschernobyl, Challenger, Katastrophen mit Langzeitwirkung? Und die 47? Klar – für 1947! Care-Pakate für die deutschen Nazis und ihre Mühe, Vergangenheiten zu bewältigen? Auch für die kommenden Stürme? „Weiß Gott“, seufzt jetzt meine Omi Glimbzsch in Zittau.
Während sich also 8647 durch’s politische Unterholz schleimt, feiert Trump seinen 80. Kaum Kammermusik, wenig Kerzen, besser blutige Bullenkämpfe im Käfig -alles direkt vor’m Weißen Kragen-Haus. Wo sonst Staatsgäste empfangen werden, sogar Merz, fliegen die Fäuste. Die Arena trägt den Namen „The Claw“, die Klaue. Paßt.
Auch das Spektakel passt zu einem, der seine politische Karriere stets wie eine Wrestling-Show inszeniert hat. Schon lange bevor DT der wichtigste Präsident aller Zeiten wurde, ließ er Dollars von Hallendecken regnen und posierte zwischen Muskelbergen und Blut.
Damals war’s Show. Heute sitzt der Wrestler im Oral Office – aus der Show wurde Politik, aus der Pose Staatsräson. Die Fans jubeln. „USA, USA“, ruft’s aus dem Walde, schallt’s in den Schächten der Schacherer und über die immergrünen Rasen. Kritiker sprechen gar von der Entwürdigung staatlicher Symbole. Aber nein aber auch!
Jane Fonda warnt vor dem Abbau demokratischer Rechte und dem Versagen linker Rechthaber. Eine Klage gegen die Veranstaltung scheiterte an der Klagemauer. Aufgemerkt: Demokratie basiert normalerweise auf Regeln, Wrestling auf deren spektakulärer Missachtung. Vielleicht liegt genau darin die Pointe unserer Zeit: Was sind schon Regeln, Leute – wo lebt Ihr denn!?
Die Naiven wollen eigentlich nur spielen. Trump ist es ernst. Kein Kunstblut mehr. Gewalt ist die aktuelle zur Metapher für Führung.
Über Washington hängen derweil dunkle Gewitterwolken. Nebel und Rauch steigen auf, ziehen über Genf nach Evian. Und meine Omi zitiert Goethe: „Über allen Gipfeln Ist Ruh‘, In allen Wipfeln spürest Du kaum einen Hauch. Die Vögelein schweigen im Walde. Warte nur! Bald – Ruhest du auch“.
Peter Grohmann * ist Kabarettist und Koordinator der AnStifter. Wir danken ihm für die Zustimmung zum Abdruck dieser Kolumne.
* peter-grohmann@die-anstifter.de