Hospizdienst ehrt Ehrenamtliche der ersten Stunde

Seit fünf Jahren an der Seite von Schwerstkranken und Sterbenden: 

Sie sind Ehrenamtliche der ersten Stunde. Sie begleiten schwerstkranke und sterbende Menschen in ihrer letzten Lebensphase, halten Hände, hören zu, schenken Zeit, sind aufmerksam – und einfach da, wenn das Lebens eines Menschen zu Ende geht. Vor fünf Jahren hat der Ambulante Erwachsenen Hospizdienst Dunkelbunt seinen ersten Ehrenamtskurs beendet – und alle Teilnehmer*innen aus dem Kurs sind noch immer in der Hospizbegleitung aktiv.

Andrea Goodall, Elisabeth Koch und Kathrin Im Winkel sind drei von ihnen, die bereit sind, von ihrem Engagement als Hospizbegleiterinnen der ersten Stunde bei Dunkelbunt zu erzählen. Alle Drei haben vor fünf Jahren gemeinsam mit einigen anderen den allerersten Ehrenamtskurs absolviert und beendet. Seitdem schenken sie Menschen am Lebensende ihre Zeit und ihre Aufmerksamkeit. Alle Drei haben seitdem nicht erst einen Menschen an dessen Lebensende begleitet, sondern über die fünf Jahre verteilt schon einige. Jede Begleitung ist anders. Jede Begleitung ist besonders. Jede Begleitung hinterlässt Spuren. Jede Begleitung bringt Lebenserfahrung. Und immer wieder natürlich das Bewusstsein für die eigene Endlichkeit.

Elisabeth Koch war damals sofort begeistert, als sie von der Neugründung des Ambulanten Erwachsenen Hospizdienstes Dunkelbunt erfuhr. Als dann auch noch ihr Lebensgefährte erkrankte, wollte sie vorbereitet sein, meldete sich zum Ehrenamtskurs an. „Ich habe schnell festgestellt, dass die Themen Tod und Sterben letzte große Herausforderungen für mich waren und ich selbst einen Umgang damit finden wollte“, erzählt Elisabeth Koch. 

Auch Kathrin Im Winkel macht die Neugründung eines ersten überkonfessionell tätigen Hospizdienstes in Dortmund neugierig – längst weiß sie zu dem Zeitpunkt, dass der Tod für sie kein Tabuthema mehr ist. Deshalb fällt die Entscheidung, sich für den ersten Kurs anzumelden, sehr schnell. Andrea Goodall und Kathrin Im Winkel treibt beide folgender Gedanke an: „Menschen am Ende ihres Lebens das Gefühl geben zu können, dass sie nicht allein sterben müssen – das ist für mich etwas sehr Erfüllendes“, erzählt Andrea Goodall, die in den vergangenen fünf Jahren auch schon mehrere Menschen ambulant hospizlich und ans Ende ihres Lebens begleitet hat. Alle unterschiedlich, alle mit ihren Geschichten. 

„Es ist ein zentraler Grundsatz unserer Hospizarbeit, dass wir alle – egal ob haupt- oder ehrenamtlich tätig – den Betroffenen und Angehörigen völlig vorurteilsfrei und wertfrei begegnen“, sagt Heike Schöttler, die Leiterin des Hospizdienstes Dunkelbunt. Eigene Wertmaßstäbe, Moralvorstellungen oder gesellschaftliche Normen in den Hintergrund treten zu lassen, ist sicherlich eine der größeren Herausforderung bei diesem Ehrenamt, aber eben wichtig für eine achtsame und respektvolle Begleitung. Denn auch bei Dunkelbunt erfolgt die ambulante Hospizbegleitung unabhängig von Religion, Herkunft, Lebensstil oder sozialem Status. 

Auch Kathrin Im Winkel hat schon einige Menschen an ihrem Lebensende begleitet, ehrenamtlich, immer auf Augenhöhe. Und sie ist bis heute fasziniert davon, wieviel Vertrauen ihr diese Menschen in all den Jahren entgegengebracht haben, wie sie sich geöffnet haben, obwohl sie sich zuvor gar nicht kannten. „Diese Menschen wissen alle, dass sie nicht mehr lange leben werden. Ich habe einige erlebt, die wirklich einsam waren, niemanden hatten, der in einer der schwersten Phase ihres Lebens für sie da war. Ich finde, sie alle haben verdient, dass ihnen jemand die Hand reicht, sie nicht alleine lässt.“ Dieser Hospizgedanke treibt nicht nur sie, sondern fast alle anderen aus dem ersten Ehrenamtskurs bis heute an.

Start unter besonderen Bedingungen
Dabei musste der erste Ehrenamtskurs beim Hospizdienst Dunkelbunt einst unter besonderen Umständen, nämlich unter Corona-Bedingungen, starten und per Zoom-Konferenz, also quasi digital, stattfinden. „Das war bei diesen feinfühligen Themen, die in der Ausbildung zu ehrenamtlichen Hospizbegleiter*innen behandelt werden, nicht immer einfach. Doch obwohl dieser Kurs und mit ihm alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer solche Hürden nehmen mussten, hat es doch zum Erfolg geführt – fast alle Ehrenamtlichen sind noch aktiv in unserem Team“, zeigt sich Heike Schöttler dankbar. Gemeinsam mit allen Koordinatorinnen des Hospizdienstes Dunkelbunt und den Ehrenamtlichen der ersten Stunde feierte sie vor Kurzem das fünfjährige Engagement der Hospizbegleiter*innen. Da wurden kleine Ansprachen gehalten, Wertschätzung und Dankbarkeit ausgedrückt, persönliche Momente miteinander geteilt, über individuelle Begleitungen gesprochen, lustige Begebenheiten ausgetauscht, kleine Geschenke verteilt und ein Buffett vorbereitet, von dem sich alle Ehrenamtlichen dann in gemütlicher Runde stärken konnten. 

„Es ist einfach wunderbar, dass fast alle Ehrenamtlichen noch aktiv mit uns gemeinsam schwerstkranke Menschen begleiten, Angehörige und Zugehörige begleiten, öffentliche Veranstaltungen mit uns gestalten und organisieren, Bindungsarbeit bei Kooperationspartnern leisten und helfen, unsere ,Letzten Wünsche‘ mit zu organisieren und auszuführen“, sagt Heike Schöttler.

Wichtiger Teil der Gesellschaft
Ambulante Hospizarbeit mit Erwachsenen ist ein wichtiger Teil der Gesellschaft, der ohne das Engagement von Ehrenamtlichen nicht möglich wäre. Durch ihre Arbeit tragen sie dazu bei, unheilbar kranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten und ihnen ein würdevolles Sterben zu ermöglichen, aber auch Angehörige zu entlasten und dem Thema Sterben und Tod zu mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz in der Gesellschaft zu verhelfen.

Im Frühjahr 2027 startet ein neuer Ehrenamtskurs beim Ambulanten Erwachsenen Hospizdienst Dunkelbunt, für den sich Interessierte jetzt schon anmelden können. Weitere Informationen gibt es bei den Koordinatorinnen im Hospizdienst unter Telefon 0231-53300881.