„Vertreiben ist keine Lösung“
Die Ratsfraktion GRÜNE & Volt hat am 28. Juli 2026 im Rahmen ihrer Sommertour die vier Ordensschwestern des vor zwei Jahren neu gegründeten City-Klosters in Dortmund besucht. Schwester Marilen, Schwester Maria, Schwester Franja, Schwester Annette und Schwester Klara gehören zum Kloster der Franziskanerinnen von Sießen und folgten dem Ruf des Paderborner Erzbischofs Udo Markus Bentz, in Dortmund eine neue franziskanische Präsenz aufzubauen. Damit knüpfen sie zugleich an das Wirken der Dortmunder Ordensfrau Pauline von Mallinckrodt an, die im franziskanischen Geist gelebt hat. Seit rund anderthalb Jahren leben und wirken die Schwestern mitten in der Dortmunder Innenstadt. Anders als viele Ordensgemeinschaften erhielten sie keinen festgelegten Auftrag. Stattdessen orientieren sie sich am Vorbild des heiligen Franz von Assisi und fragen, wo Menschen ihre Unterstützung brauchen und wo sie ihre unterschiedlichen Fähigkeiten einbringen können.

Heute engagieren sie sich unter anderem im Deutschunterricht für Frauen mit wenig Sprachkenntnissen, insbesondere Roma-Frauen in der Nordstadt, im Trauercafé der Caritas, in der Wohnungslosenhilfe im GastHaus und Frauen-Café, in einer Kindertageseinrichtung in der Nordstadt sowie im Refugium im Propsteihof, einem konsum- und zweckfreien Begegnungsraum. Außerdem begleiten sie Taufen und Wiedereintritte in die katholische Kirche. Eine Schwester wirkt zudem in der BVB-Gründerkirche mit, die derzeit zu einem Stadtteilzentrum weiterentwickelt wird.
Anlässlich des 800. Todestages des heiligen Franz von Assisi veranstalten die Franziskanerinnen am 12. September 2026 im Propsteihof das Franziskusfest mit Theater, Musik und Workshops – insbesondere für junge Menschen.
„In Dortmund kommt man an armen Menschen nicht vorbei.“
Im Gespräch mit der Ratsfraktion berichteten die Schwestern von ihren Erfahrungen in Dortmund. Sie erleben viele herzliche Begegnungen und große Offenheit. Menschen grüßten sie auf der Straße und freuten sich darüber, dass Ordensschwestern wieder sichtbar zum Stadtbild gehören. Auch wohnungslose Menschen begegneten ihnen mit Respekt und Vertrauen.
„In Dortmund kommt man an den Armen nicht vorbei. Hier gibt es Not in vielerlei Hinsicht. Das menschliche Miteinander gehört deshalb zu den größten Herausforderungen für Dortmund“, beschreibt Schwester Marilen ihre Erfahrungen.
„Vertreiben ist keine Lösung.“
Ein wichtiger Teil des Austauschs war die Situation wohnungsloser und suchtkranker Menschen in der Dortmunder Innenstadt. Dabei wurde auch über das vom Rat beschlossene Bettelverbot gesprochen. Einig waren sie sich, dass die Situation komplex ist: Fehlende öffentliche Toiletten, die Crack-Krise, Suchterkrankungen und Verwahrlosung stellen die Stadt vor große Herausforderungen. Gleichzeitig äußerten die Schwestern ihre Sorge darüber, wenn wohnungslose Menschen lediglich verdrängt werden.
„Durch meine frühere Arbeit in der Suchthilfe weiß ich, dass man im Umgang mit suchtkranken Menschen viel Ohnmacht erlebt. Umso wichtiger ist es, diese Menschen, die alle unsere Schwestern und Brüder sind, als Menschen und nicht als Objekte zu behandeln. Den Schmerz und die Not, die man in der Dortmunder City erlebt, gilt es auszuhalten, bis wir Lösungen gefunden haben. Vertreiben ist keine Lösung“, betonte Schwester Marilen.
„Dortmund ist bunt “
Beeindruckt zeigten sich die Schwestern nach zwei Jahren Wirken zugleich von der Vielfalt Dortmunds. Die vielen Nationen, die hier miteinander leben, seien eine große Stärke und ein Reichtum der Stadt. Sie wünschen sich, dass dieser Reichtum noch stärker als gesellschaftliche Chance wahrgenommen wird.
Zum Abschluss des Austauschs gaben die Franziskanerinnen der Ratsfraktion einen Wunsch mit auf den Weg: Politik müsse sich für den Schutz des Planeten und damit der Schöpfung einsetzen und dabei die Würde jedes Menschen im Blick behalten – unabhängig von Herkunft oder sozialem Status. Wertschätzung für das menschliche Leben und die Frage nach globaler Gerechtigkeit gehörten untrennbar zusammen.
„Der Besuch hat uns eindrucksvoll gezeigt, dass soziale Verantwortung dort beginnt, wo Menschen einander auf Augenhöhe begegnen”, berichtet Oliver Stieglitz, Ratsmitglied der Fraktion GRÜNE & Volt. „Die Franziskanerinnen leben jeden Tag vor, dass Mitmenschlichkeit, Respekt und Solidarität keine abstrakten Werte sind, sondern ganz konkret im Alltag gelebt werden können. Gerade im Umgang mit Armut, Wohnungslosigkeit und Sucht brauchen wir mehr Menschlichkeit und nachhaltige Lösungen statt bloßer Verdrängung. Für die Arbeit der Franziskanerinnen und das Wiederaufleben des Cityklosters sind wir den Ordensschwestern daher sehr dankbar.“
Quelle: Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN & Volt