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Niedrigwasser bedroht nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Flussökosysteme
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Berlin. Unter dem aktuellen Niedrigwasser leidet nicht nur die Wirtschaft und Logistik, sondern auch der Lebensraum Fluss. Mit sinkenden Wasserständen nimmt der Sauerstoffgehalt ab, das Wasser wird wärmer und die Schadstoffbelastung steigt. Flache Uferbereiche und Kiesbänke, die Laich- und Aufwuchsgebiete von Fischen und anderen Wasserbewohnern trocknen aus. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt deshalb davor, Flüsse nur als Wasserstraßen und Verkehrswege zu behandeln. Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: „Das Niedrigwasser schadet nicht nur der Wirtschaft, sondern bedroht auch wertvolle Lebensräume. Flüsse sind komplexe Ökosysteme, auf die zahlreiche Tier- und Pflanzenarten angewiesen sind. Die Fahrrinnen zu vertiefen wird der Landschaft noch mehr Wasser entziehen – darunter leiden dann auch Landwirt*innen, Waldbesitzer*innen und die Trinkwasserversorgung.“ Fische und andere Flusslebewesen unter Druck Der Lebensraum der Fische schrumpft bei Niedrigwasser ebenso. Trocknen Teilabschnitte sehr stark aus, können Fischwanderwege unterbrochen und Laich- und Rückzugsräume zerstört werden. Die Veränderungen des Lebensraums sind rasant und Tiere und Pflanzenarten haben keine Möglichkeit, sich anzupassen. Gleichzeitig sind die Tiere auf engem Raum zusammengedrängt und werden leichter von Fressfeinden erbeutet. Ufer und Auen leiden Besonders gefährdet sind die ohnehin seltenen und bedrohten Auen-Lebensräume. Am Rhein könnten durch das Niedrigwasser beispielsweise flache Altarme mit ihrer teilweise noch intakten Vegetation austrocknen. Im ungünstigsten Fall werden sie vom Hauptstrom abgeschnitten und verlieren dann ihre Funktion als Rückzugs- Fortpflanzungs- und Ernährungsgebiete. Tiere, die an das Wasser gebunden sind, verlieren durch Austrocknung große Teile ihres Lebensraums. Dies betrifft zum Beispiel alle Arten, die im Wasser jagen. Auch Vögel, die im schlammigen Boden nach Nahrung suchen, sind betroffen. Sauerstoff- und Schadstoffkonzentration steigt Zugleich kann die Konzentration von giftigen Schadstoffen im Wasser steigen, weil weniger Wasser zum Verdünnen vorhanden ist. Zusammen mit der höheren Wassertemperatur verschärft das die Belastung für das gesamte Flussökosystem. Sterben dadurch Insektenlarven, Muscheln oder Fische, fehlt anderen Tieren die Nahrungsgrundlage – etwa Wasservögeln oder größeren Fischen. „Niedrigwasser wird nicht nur zu einem Problem einer einzelnen Art, sondern kann die Stabilität des gesamten Ökosystems und somit auch von uns Menschen beeinträchtigen“, so Olaf Bandt. Fahrrinnenvertiefung mit hohen ökologischen Kosten Olaf Bandt: „Eine Fahrrinnenvertiefung geht mit hohen ökologischen Kosten einher. Das Ziel des Ausbaggern ist es, das wenige vorhandene Wasser in schmaleren und tieferen Rinnen zu konzentrieren, damit die schwer beladenen Schiffe nicht auf Grund laufen. Das funktioniert nur, weil damit der umliegenden Landschaft noch mehr Wasser entzogen wird. Darunter werden dann auch Land- und Forstwirtschaft leiden, die ohnehin schon mit der Trockenheit zu kämpfen haben. Der BUND fordert deshalb Renaturierung, mehr Wasserrückhalt in der Landschaft, eine Anpassung der Schifffahrt an das verfügbare Wasserdargebot und keine weitere Fahrrinnenvertiefung. Mehr Informationen:
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist mit mehr als 676.000 Mitgliedern und Unterstützer*innen einer der größten Umweltverbände Deutschlands. Seit über 50 Jahren engagiert er sich unter anderem für eine ökologische Landwirtschaft, den Klimaschutz, den Schutz bedrohter Arten, des Waldes und des Wassers. Finanziert durch Spenden und Mitgliedsbeiträge ist der BUND unabhängig von Politik und Wirtschaft. Regelmäßig legt der BUND mit dem Jahresbericht seine Tätigkeiten und Finanzen offen. Transparenz verstehen wir als ein Zeichen des Respekts gegenüber allen, die uns unterstützen und unsere Unabhängigkeit sichern. Hrsg.: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V., Nicole Anton (v.i.S.d.P.), Kaiserin-Augusta-Allee 5, 10553 Berlin |