Sensoren melden volle Behälter – Bürger können sich Müllgreifer an acht Stationen leihen

Stadtdirektor Christian Uhr (4.v.l.), Heiko Just (5.v.l.) und das Team Smart City Dortmund stellen smarte Müllbehälter für Parks und Grünflächen und den Pottpicker vor.
Eine Software leitet diese Daten über Mobilfunk an das Grünflächenamt weiter. Die Mitarbeitenden sehen am Computer genau, welche Tonne voll ist, und können die Routen für die Leerung gezielter planen. Das spart unnötige Fahrten, schont die Umwelt und hält die Parks sauber.
„Smart City bedeutet für uns nicht, eine Stadt einfach nur digitaler zu machen“, erklärt Christian Uhr, Dezernent für Personal, Digitales und Verwaltungsmodernisierung, zu dessen Bereich auch das Smart City Team gehört. „Wir nutzen die Technik ganz gezielt dort, wo sie das Leben der Menschen vor Ort spürbar besser und unsere Stadt lebenswerter macht. Das neue Abfallmanagement für Grünflächen zeigt genau das: Wir sparen CO2-Emissionen und sorgen gleichzeitig für sauberere Parks.“
Sensoren verhindern übervolle Tonnen
„Big Belly“ heißen die Abfallbehälter, die in Europa von der Future Street GmbH vertreten werden. „Smart Waste Systeme im öffentlichen Bereich reduzieren den Leerungsbetrieb der städtischen Reinigungsbetriebe bis zu 90 Prozent“, sagt Thomas Krüger von Future Street. „Diese Ersparnis ergibt sich durch eine integrierte, solarbetriebene Müllpresse und ein leistungsfähiges, automatisches Meldesystem, welches den Füllstand regelmäßig an die Betriebsdisposition meldet und somit unnötige Leerungsfahrten komplett vermeidet. Die Behälter sind robust und nachhaltig modular aufgebaut und nach DIN-Norm barrierefrei.“
Bisher fuhren die Partner*innen zur Entsorgung des Mülls die Tonnen oft nach festen Zeiten an. Jetzt kann der tatsächliche Bedarf die Routen beeinflussen. „So können wir unnötige Fahrwege vermeiden, Abläufe wirtschaftlicher gestalten und gleichzeitig Ressourcen schonen“, sagt Heiko Just, Leiter des Grünflächenamtes. „Durch eine bessere Kontrolle der Füllstände versprechen wir uns natürlich auch weniger Müll neben den Mülleimern, da auf einen vollen Mülleimer schneller reagiert werden kann.“
Der gezielte Einsatz von Mitarbeitenden schafft auch Kapazitäten für zusätzliche Reinigung. Denn zum Beispiel nach einem heißen Sommertag, den die Menschen gerne draußen verbringen, fällt deutlich mehr Müll in den Parks an. Die regelmäßigen Sensordaten offenbaren nach einiger Zeit auch, an welchen Stellen Mülleimer kaum genutzt werden und wohin sie umziehen könnten, weil dort das Müllaufkommen größer ist. Die neuen, geschlossenen Müllbehälter bieten dabei noch einen Vorteil: Tiere kommen nicht mehr an den Abfall heran und können ihn nicht in den Parks verteilen.
Gemeinsam mit dem Smart City Team Dortmund, hat das Grünflächenamt die Vergabe für das Projekt bereits abgeschlossen. Die Mitarbeitenden wurden vor Ort in Dortmund durch den Auftragnehmer, die Future Street GmbH, für das System geschult. Externe Dienstleister (AWO-Werkstätten, Christopherus Haus, DOLOG) folgen bald.
Das Projekt ist Teil der gemeinsamen Smart City Strategie der Städte Dortmund und Schwerte, die durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) als „Modellprojekt Smart Cities“ gefördert wird. Mit dem Förderprogramm werden Städte bei der Entwicklung kommunaler, fachübergreifender und raumbezogener Smart City Strategien und deren Umsetzung unterstützt.
„Pottpicker“ ausleihen wie einen Einkaufswagen
Neben der digitalen Technik setzt Dortmund auch auf eine einfache, mechanische Idee: den „Pottpicker“. An zunächst acht Stationen im Zoo und im Westfalenpark können sich Besuchende Müllgreifer ausleihen. Das funktioniert wie bei einem Einkaufswagen mit einer Münze oder einem Chip. Damit ist das richtige Werkzeug zur Hand, um verirrte Taschentücher, Brötchentüten oder Bonbonpapiere sauber in den Abfall zu befördern – ein smartes Angebot für alle, die aktiv zu einem sauberen Park beitragen möchten. Vor allem Kinder haben Spaß daran, mit dem Werkzeug Parks sauber zu halten, aus dem Müll-Sammeln eine Challenge zu machen und Verantwortung für die Natur zu übernehmen.
Erfunden hat den Greifer Daniel Kozik, ein Dortmunder Familienvater. Die Idee zum Pottpickerkam ihm, als er 2017 ein halbes Jahr mit seiner Familie auf Europareise war. „Oft standen wir mit unserem Wohnmobil an traumhaften Spots. Doch egal, ob es der Stellplatz am Strand, im Wald oder in der Stadt war, alle hatten gemeinsam: überall flog Müll herum. Oft haben wir dann erstmal sauber gemacht und den Müll entsorgt. Seitdem ist eine Müllgreifzange unser ständiger Begleiter im Wohnmobil, denn man will ja auch nicht alles anfassen, was herumliegt.“ Wieder zuhause wollte er, dass sein Beispiel Schule macht und auch anderen eine smarte Möglichkeit geben, im Alltag etwas für den Umweltschutz zu tun. Gerade in der Corona-Zeit ist das Müllaufkommen draußen enorm gewesen. „Der Pottpicker ist ein einfaches Werkzeug, mit dem man das Litterig-Problem bequem selbst in die Hand nehmen kann,“ sagt Kozik.
„Der Pottpicker beweist, dass eine smarte Lösung nicht immer hochdigital sein muss“, betont Christian Uhr. „Mit dieser einfachen, cleveren Idee geben wir den Bürgerinnen und Bürgern eine unkomplizierte Möglichkeit an die Hand, direkt mitanzupacken und Verantwortung für ihre Umwelt zu übernehmen.“ Die Stadt prüft derzeit weitere Standorte für Pottpicker-Stationen.
Die Smart City Dortmund
Im Mittelpunkt stehen Projekte aus unterschiedlichen Bereichen – von digitaler Infrastruktur und Sensorik über Energie und Umwelt bis hin zu neuen Möglichkeiten der Beteiligung. Das gemeinsame Ziel: Dortmund soll effizienter, nachhaltiger, digitaler und vor allem lebenswerter werden.