LesArt.Festival 2026: Bekannte Autor*innen über Fußball, Liebe, Konflikte, und Demokatie

Unter anderem mit Christoph Biermann, Sebastian 23, Mirna Funk, Alexander Estis, Karosh Taha, Christian Berkel und Iryna Fingerova

Foto von Christian Berkel

Den Abschluss bildet am Samstag, 14. November, um 19 Uhr die LesArt.Gala im domicil mit Schauspieler und Autor Christian Berkel .
© Gerald von Foris

Vom 4. bis 14. November bringt das LesArt.Festival vielfältige Literatur nach Dortmund: Autor*innen erzählen von Liebe, Identität und gesellschaftlichen Konflikten, Cartoons sorgen für Humor und junge Menschen zeigen ihre eigenen Texte und Theaterstücke.

Ob Graphic Novel, Roman, Poetry Slam oder Fußballreportage: Das LesArt.Festival lädt dazu ein, neue Perspektiven zu entdecken und über aktuelle Fragen ins Gespräch zu kommen. Das Programm reicht von unterhaltsamen Bühnenabenden über bewegende Geschichten bis zu politischen Debatten. Auch Kinder und Jugendliche stehen im Mittelpunkt. Die Veranstaltungen finden an verschiedenen Orten in Dortmund statt. Den Auftakt machen bereits am 4. und 5. November erste Lesungen und Bühnenprogramme.

Auftakt mit Comics, Cartoons und persönlichen Geschichten

Am Mittwoch, 4. November, um 19:30 Uhr erzählt Nele Jongeling im literaturhaus.dortmund in ihrer Graphic Novel „Ich will nicht arbeiten“ mit hintergründigem Humor von einer jungen Frau, die ihren Traumjob finden soll, obwohl sie eigentlich gar nicht arbeiten möchte. Die Geschichte nimmt die moderne Arbeitswelt und den Drang zur Selbstoptimierung aufs Korn.

Am Donnerstag, 5. November, um 19 Uhr präsentiert der Cartoonist Tobias Vogel alias @kriegundfreitag im Kino im Dortmunder U seine minimalistischen Zeichnungen und die Gedanken dahinter. Mit wenigen Strichen bringt er alltägliche Situationen auf den Punkt und verbindet Humor mit überraschenden Beobachtungen.

Von weiblichen Rollenbildern bis zur deutsch-jüdischen Geschichte

Ebenfalls am 5. November liest Iryna Fingerova um 19:30 Uhr im literaturhaus.dortmund aus „Zugwind“. Ihr Roman erzählt von der ukrainischen Hausärztin Mira, deren Leben durch den Krieg in ihrer Heimat aus dem Gleichgewicht gerät. Zwischen der Sorge um ihre Familie, der Verantwortung für ihre Patient*innen und der Sehnsucht nach Odessa sucht sie nach Halt im Alltag.

Am Freitag, 6. November, um 20 Uhr stellt Silvi Carlsson im domicil ihr Buch „Good Girl Exit. Vom Ende der weiblichen Verfügbarkeit“ vor. Sie hinterfragt die Erwartung, dass Frauen stets nett, verständnisvoll und für andere da sein sollen. Dabei geht es um gesellschaftliche Rollenbilder, Beziehungen und den Mut, eigene Bedürfnisse ernst zu nehmen.

Mirna Funk führt das Publikum am Samstag, 7. November, um 19:30 Uhr im Reinoldisaal mit ihrem Roman „Balagan“ von Berlin bis Tel Aviv. Als eine junge Frau eine seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen geglaubte jüdische Kunstsammlung ihrer Familie entdeckt, muss sie entscheiden, was mit den Werken geschehen soll. Dabei geht es um Recht und Unrecht, Familienkonflikte und die schwierige Auseinandersetzung mit der deutsch-jüdischen Geschichte.

Auch die Macht der Sprache und die Frage nach dem Zusammenleben beschäftigen das Festival. Lütfiye Güzel und Dortmunds ehemaliger Stadtbeschreiber Alexander Estis präsentieren am Sonntag, 8. November, um 19 Uhr im literaturhaus.dortmund ihre kurzen, pointierten literarischen Miniaturen unter dem Titel „Das alles ist so langweilig“. Mit ihren Texten halten sie den großen und kleinen Absurditäten des Alltags einen ebenso humorvollen wie kritischen Spiegel vor.

Für Kinder: Mut, Gefühle und Theater auf der Bühne

Wie sich Ängste überwinden lassen, zeigt Julia Regett am Sonntag, 8. November, um 15 Uhr im Literaturhaus.dortmund mit ihrem Bilderbuch „Lass es raus, Knotenklaus“. Der schüchterne Oktopus Klaus muss sich ins offene Meer wagen, um Hilfe für einen verknoteten Fangarm zu finden. Die Geschichte für Kinder ab vier Jahren erzählt von Mut, Achtsamkeit und dem Umgang mit Gefühlen.

Ein Höhepunkt für junge Literaturfans ist das KindergartenBuchTheaterFestival im Fritz-Henßler-Haus. Am Freitag, 6. November, sowie am 9., 10., 11. und 13. November zeigen jeweils ab 15 Uhr insgesamt 15 Dortmunder Kindergartengruppen ihre eigenen Inszenierungen im Gartensaal. Dafür haben die Kinder Bücher ausgewählt, Dialoge entwickelt sowie Bühnenbilder und Kostüme gestaltet. Manche Gruppen steuern sogar eigene Musik, Gesang und Tanz bei. Das Festival findet bereits zum 22. Mal statt.

Fußballtabellen und Rassismus

Fußball trifft Literatur am Montag, 9. November, um 19:30 Uhr beim LesArt.Stadion im Signal Iduna Park. Die beiden Lesungen führen das Publikum jeweils für eine Halbzeit in die Gäste- und die Heimkabine.

Christoph Biermann beschäftigt sich in „Die Tabelle lügt immer“ mit der Frage, wie stark der Zufall den Fußball beeinflusst. Ronny Blaschke richtet in „Spielfeld der Herrenmenschen“ den Blick auf Kolonialismus und Rassismus im Sport. Er zeigt, wie europäisches Überlegenheitsdenken bis heute Strukturen im Fußball prägt – etwa bei der Talentförderung, im Sponsoring und in den Medien.

Stimmen zu Demokratie, Widerstand und gesellschaftliche Debatten

Am Dienstag, 10. November, um 19:30 Uhr steht in der Schauburg das gesellschaftliche Miteinander im Mittelpunkt. Der Poetry-Slammer und Autor Sebastian 23 zeigt in „Zusammenhaltestelle“, wie sich Hass und verhärteten Debatten mit Humor, klaren Argumenten und Zuversicht begegnen lässt. Sein Plädoyer: Demokratie und Menschenwürde brauchen Menschen, die sich einmischen und trotz unterschiedlicher Meinungen miteinander im Gespräch bleiben.

Karosh Taha erzählt am Mittwoch, 11. November, um 19:30 Uhr im Roto-Theater in ihrem Roman „Gulistan“ von einer kurdischen Frau, die unter Saddam Husseins Diktatur ihren verschwundenen Mann sucht. Der Roman handelt von Verfolgung, Gewalt und dem Widerstand eines Menschen, der sich nicht brechen lassen will.

Am Donnerstag, 12. November, um 20 Uhr geht es im domicil um Migration, Rassismus und den Umgang mit politischen Parolen. Anette Dowideit („Ich bin doch kein Rassist, aber …“), Lara Grewe („Stammtischparolen entkräften“) und Dr. Umes Arunagirinathan („Grenzen akzeptieren wir nicht!“) beleuchten unterschiedliche Aspekte gesellschaftlicher Konflikte. Sie zeigen, wie sich verhärtete Debatten hinterfragen und populistische Aussagen entkräften lassen.

Junge Stimmen und neue Talente

Auch junge Autor*innen aus Dortmund und der Region bekommen beim LesArt.Festival eine Bühne. Am Freitag, 13. November, präsentieren Schüler*innen um 15:30 Uhr im literaturhaus.dortmund die Ergebnisse von vier Schreibwerkstätten des Projekts LiteraturAufRuhr. Unter dem Motto „Urlaub ist die schönste Zeit im Leben“ haben sie eigene literarische Texte entwickelt. Der Eintritt ist frei, eine Reservierung wird dringend empfohlen.

Am selben Abend lädt das Roto-Theater um 19:30 Uhr zum Künstler*innenabend „Einzelstücke“ ein. Unter dem Titel „wir sind – held:innen von hier“ präsentieren Nachwuchstalente aus dem Ruhrgebiet ihre Arbeiten aus Literatur, Musik und bildender Kunst. Der Abend bietet jungen Künstler*innen eine Bühne für eigene Ideen und neue Perspektiven.

LesArt.Gala mit Christian Berkel und Preisverleihung

Den Abschluss bildet am Samstag, 14. November, um 19 Uhr die LesArt.Gala im domicil. Schauspieler und Autor Christian Berkel liest aus seinem Roman „Sputnik“, in dem er von Kindheit und Jugend, Aufbruch und Ablösung sowie von Freundschaft und Liebe erzählt. Gregor Schnittker moderiert den Abend.

Bei der Gala wird außerdem der LesArt.Preis der jungen Literatur verliehen. Die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung der Sparkasse Dortmund würdigt einen ausgewählten Text junger Autor*innen. Bewerben konnten sich Schreibende unter 35 Jahren aus Dortmund. Einsendeschluss war der 3. Oktober 2026.

Das LesArt.Festival wird vom Kulturbüro der Stadt Dortmund, der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, Kultur und Projekte e. V. sowie dem literaturhaus.dortmund veranstaltet. Die Sparkasse Dortmund unterstützt das Festival. Infos zum Programm, zu Eintrittspreisen und zum Vorverkauf:

LesArt.Ruhr⁠