Tag der biologischen Vielfalt:

BUND fordert mehr Wildnis in Deutschland
Bundesregierung muss ihren Verpflichtungen nachkommen 

Zum internationalen Tag der biologischen Vielfalt am Freitag (22. Mai) fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mehr Wildnis in Deutschland. Als Orte ökologischer Vielfalt sind Wildnisgebiete unübertroffen, wenn es darum geht, diesen biologischen Reichtum zu bewahren und gleichzeitig das Klima sowie den Wasserhaushalt zu stabilisieren. Diese Gebiete, in denen sich die Natur auf großer Fläche ohne das Eingreifen von Menschen entwickeln kann, sind hierzulande mit 0,6 Prozent der Landesfläche viel zu selten.

Der BUND kritisiert, dass es noch immer zu wenig Wildnis in Deutschland gibt. Die Bundesregierung muss endlich mindestens zwei Prozent der Landesfläche als Wildnisgebiete ausweisen, wie bereits 2007 in der Nationalen Biodiversitätsstrategie beschlossen und vor zwei Jahren bekräftigt. Der BUND fordert, mittelfristig sogar auf fünf Prozent der Landesfläche Wildnisgebiete einzurichten, um Biodiversität, Klima und Wasserhaushalt besser zu schützen.

Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND:
“Wildnisgebiete sind wunderbare Landschaften. Sie bieten uns besondere Naturerlebnisse, die lange in Erinnerung bleiben. Die Schönheit und der Zauber ungezähmter Natur, die sich frei von menschlichen Eingriffen entwickeln kann, berühren uns Menschen. Wildnis ist jedoch viel mehr als das: Wildnisgebiete bieten Lebensräume, die in der Kulturlandschaft längst verloren gegangen sind. Hier finden unzählige Tier- und Pflanzenarten ein Refugium, die anderswo längst selten geworden sind. In der Wildnis sucht sich die Natur eigene Wege, mit neuen Herausforderungen wie zum Beispiel dem Klimawandel umzugehen – oft mit Ergebnissen, die uns erstaunen lassen. Wildnisgebiete schützen jedoch nicht nur die biologische Vielfalt, sondern auch das Klima und den Wasserhaushalt. Sie speichern Wasser, sorgen für sauberes Trinkwasser und schützen vor Hochwasser.“

Wildnisgebiete sollen mindestens 1000 Hektar groß sein, in Mooren, Auen und an Küsten mindestens 500 Hektar. Hier soll sich die Natur frei von Eingriffen durch Industrie, Infrastruktur, Land- oder Forstwirtschaft entwickeln können. Wildnisgebiete dürfen für Erholung, Tourismus, Bildung und Forschung betreten und genutzt werden. Zwei Drittel der Erwachsenen würden es laut Naturbewusstseinsstudie 2023 begrüßen, wenn es mehr Wildnis in Deutschland gäbe.

Ehrenamtsarbeit des BUND schafft wieder mehr Raum für Wildnis
Bandt
: “Wir fordern aus guten Gründen, dass tropische Regenwälder, Korallenriffe und afrikanische Savannen geschützt werden. Doch auch in Deutschland müssen wir unserer eigenen Verantwortung für den Schutz der weltweiten Biodiversität gerecht werden. Dazu gehört, hierzulande endlich mehr Wildnisgebiete auszuweisen. Die Bedingungen sind dank neuer Förderprogramme aktuell besonders günstig: Privatleute, zum Beispiel Waldbesitzende, die mit ihrem Wald zu mehr Wildnis in Deutschland beitragen wollen, können finanziellen Ausgleich dafür erhalten. Für den Staat und die Kommunen bietet die Umsetzung der ‚Wiederherstellungsverordnung der Natur‘ attraktive Synergieffekte mit der Ausweitung von Wildnis in Deutschland.“

Der BUND zeigt in vielen Projekten vor Ort und dank engagierter Ehrenamtsarbeit, wie Wildnis in Deutschland wieder mehr Raum bekommt.

Bandt: “Der BUND geht mit gutem Beispiel voran: In der Goitzsche-Wildnis zeigen wir auf 1300 Hektar eines ehemaligen Braunkohletagebaus, wie aus einer Mondlandschaft wunderschöne, vielfältige Natur entstehen kann, wenn wir sie lassen. Heute gibt es in der Goitzsche unzählige Vogelarten, Libellen, Fischotter und sogar Wölfe. In der Lenzender Elbtalaue lassen wir nach und nach natürliche Überflutungsflächen und Auwälder wieder entstehen. Und im alten Laubwald Hohe Schrecke kann sich auch dank unseres Einsatzes auf über 3000 Hektar echte Waldwildnis entwickeln – vor allem Buchenwälder, für die wir in Deutschland internationale Verantwortung tragen.“

Hintergrund
Der Internationale Tag der biologischen Vielfalt wird jedes Jahr am 22. Mai begangen. Die Vereinten Nationen haben ihn im Jahr 2000 ins Leben gerufen; Ziel ist es, aufmerksam zu machen auf die Bedeutung der Biodiversität, also auf die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten, Genen und Lebensräumen. Weltweit sollen Menschen und Regierungen sensibilisiert werden für den Schutz dieser Vielfalt, denn sie ist eine wichtige Grundlage für sauberes Wasser, Nahrung, Gesundheit und ein stabiles Klima.

Der BUND setzt sich gemeinsam mit anderen Naturschutzorganisationen für mehr Wildnis in Deutschland ein: Die ‚Initiative Wildnis in Deutschland‘ ist ein breites Bündnis aus 22 Naturschutzverbänden und Stiftungen. BUND und BUNDstiftung sind Gründungsmitglieder der Initiative. Eine Studie der Initiative hat allein auf öffentlichen Flächen ein Wildnispotenzial von zusätzlich 1,67 Prozent der Landesfläche identifiziert.

Das weitere Angebot des BUND zum internationalen Tag der biologischen Vielfalt (22. Mai):

  • Mittwoch, 20. Mai: Pressemitteilung zu Wildnis und Auen
  • Donnerstag, 21. Mai: Pressemitteilung zu Wildnis in Nord- und Ostsee
  • Freitag, 22. Mai: Pressemitteilung zu Wildnisgebieten mit Übersichtskarte und Ausflugstipps.

Mehr Information:

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist mit rund 674.000 Mitgliedern und Unterstützer*innen einer der größten Umweltverbände Deutschlands. Seit über 50 Jahren engagiert er sich unter anderem für eine ökologische Landwirtschaft, den Klimaschutz, den Schutz bedrohter Arten, des Waldes und des Wassers. Finanziert durch Spenden und Mitgliedsbeiträge ist der BUND unabhängig von Politik und Wirtschaft.