Arbeiterverräter – Eine Kolumne von Peter Grohmann

Arbeiterverräter

Von Peter Grohmann

Arbeiterverräter ist natürlich der falsche Begriff, auch wenn die Rente der klein gebliebenen Leute unsicher ist. Der eine gibt sein Auto ab, weil er nicht mehr so fahrtüchtig ist wie Harald Schmidt, der andere, weil sich’s mobil nicht mehr leisten kann. Und öffentlich Schwarzfahren? Ich warne! Wer kann sich als Schwarzfahrer schon einen Gutachter leisten, der dem Gericht beweist, dass es ihm beschissen geht?An den Rändern rappelts. Staatsanwaltschaften, die seit Anno Kruck in

Sachen CumEx und CumCum ermitteln, sind im Untergrund verschwun-

den – kein Wort mehr von den 100 Milliarden, die der Allgemeinheit durch

hochnoble Betrüger gestohlen wurden. Strafvereitelung im Amt.

Kein Hahn kräht danach.

Das gilt auch für feinere Kreise, die ihr Geld gleich direkt ins Ausland  

transferieren, von der Hand in den Mund, und dieden Teufel an die Wand malen,

wenn’s um Wohnungsbau geht. Marietta

Slomka kneift die Augen zusammen, lässt die AfD rechts liegen und knöpft

sich dann am liebsten den linken Antisemitsmus vor. Tschüs, politisches

Bewusstsein.

Deutschland ist nicht Frankreich, sagt Cohn-Bendit: Keine Angst, keine

Angst, Rosmarie. Hier brennt nix an, wenn man wegsieht. Die halbe

Wahrheit versetzt beim Thema Verstaatlichung eine ganze Nation von

Hausbesitzern in Panik. Die Reihenhäuser: Stillgestanden! – und der

Kommunist grinst frech aus dem verdienten Untergrund. Den großen

Wohnungsklau-Konzernen ist es meisterlich gelungen, die Gespenster von

vorgestern durch Mund-zu-Mund-Beatmung von Medien, Abgeordneten

und Wohnbau-Allianzen wiederzubeleben. Das gemeine Volk schließt jetzt

sogar tagsüber die Bude ab: „Schlüssel zweimal rumdrehen, Peter!“, so

meine Omi Glimbzsch, wenn man das Häusel verließ. Damals? Da waren

die Genossenschaften noch Genossenschaften und die Genossen auf der

richtigen statt auf der Seite der Profite. Damals, da haben die Kommunen

noch den Besitzstand der Bürgerinnen bewahrt wie Gräfin Koks ihr

Tafelsilber. Also her mit den Fakten zum kommunalen Wohneigentum.

 

Monitor kann’s . Schaut nach Wien, dann geht euch vielleicht ein Licht auf.

Von der Zuckersteuer über die Kippe bis zum Stickl Brot für die Omi:

Armut wird individualisiert, Reichtum geschützt. Sobald die Frage nach

Arm & Reich auf den Tisch kommt, erwachen die alten Gespenster, das

Wort Gemeineigentum wird wie das Grundgesetz verraten und verkauft.

Institutionen, die wir mal geschaffen haben, um Menschen vor den Risiken

des Marktes zu schützen, können von heut auf morgen ihren Zweck

verlieren, wenn Rendite-Interessen und politische Machtverhältnisse die

Oberhand gewinnen. Das ist der Fall.

Peter Grohmann ist Kabarettist + Koordinator des Bürgerprojekts „Die AnStifter“ | www.die-anstifter.de ; nebenbei: FriedensGala gegen Gewalt, Antisemitismus und Intoleranz: 6.12.26, Theaterhaus)