Emscher: Ein paar Jahre und die Kloake ist Vergangenheit

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Mit der Inbetriebnahme des Pumpwerks Bottrop wird die Emscher weitere Kilometer vom Abwasser befreit.

Im Vorgriff auf die am 24. September 2018 von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bevorstehenden Eröffnung des Abwasserkanal Emscher-Pumpwerks in Bottrop fand eine Pressekonferenz in 35 Metern Tiefe auf der untersten Pumpen-Ebene des Pumpwerks statt. MENGEDE:Intakt! war dabei.

Der Baufortschritt kann anhand dieser Grafik nachvollzogen werden

„Der 24. September 2018 wird nicht nur für die Emschergenossenschaft, sondern für die ganze Region ein großer Tag sein“, sagt Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. „Nach mehr als 150 Jahren der Degradierung zur Kloake wird die Emscher, der zentrale Fluss des Ruhrgebietes, in einem ersten Schritt ein Stück weit vom Abwasser befreit. Es ist der erste Schritt von vielen auf dem Weg zur ökologischen Umgestaltung dieses geschundenen Flusses“, so Paetzel weiter.

Das ist natürlich für alle Dortmunder, die schon in Deusen  per Pedes oder per Velo entlang der Emscher unterwegs waren, keine große Überraschung.


Dennoch ist die auch in anderen Ruhrgebietsstädten fort-schreitende Emscher-renaturierung auf dem besten Weg, eine ökologische Erfolgsgeschichte zu werden. Flora und Fauna sind auf dem Vormarsch. Der Eisvogel wurde mehrfach gesichtet. Muscheln und Krebse gehören zu den Neuansiedlungen in den jetzt schon abwasserfreien Abschnitten.


Technische Meisterleistung – Gewicht von 21 Eiffeltürmen unterirdisch verbaut

„Der Abwasserkanal Emscher (AKE) und die beiden Pumpwerke sind ingenieurstechnische Meisterleistungen“, sagt Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand der Emschergenossenschaft. In dem Bereich zwischen Dortmund und Bottrop wurden 10.661 Kanalrohre mit Innendurchmessern von 1,60 bis 2,80 Meter und einem Gesamtgewicht von 213.747 Tonnen – 21 Mal soviel wie der Eiffelturm wiegt, unterirdisch verbaut. „In diesem Bauabschnitt haben wir mehr als eine halbe Milliarde Euro in den Abwasserkanal Emscher und die beiden Pumpwerke investiert“, so Grün.

Wenn früher entlang der Emscher die minderwertigen Wohngebiete ihr Darsein fristeten, so kann zukünftig eine deutliche Wohnwertsteigerung erwartet werden. Unter anderem der Phönixsee und ca. 200 km Radweg spülen immer neue Besucher in die Region. “So ist das Generationenprojekt der Emschergenossenschaft auch als Motor der Stadtentwicklung zu sehen”, ergänzt Dr. Grün seine Ausführungen selbstbewusst.

Je nach Abwasserzufuhr gehen die Pumpen nacheinander in Betrieb


Der Countdown läuft am 24.09.

Der AKE startet am 24.9. mit einigen wenigen Einleitungen im Bereich des östlichen Einzugsgebietes. In den darauf folgenden Wochen und Monaten wird die Emschergenossenschaft dann sukzessive immer weitere Einleitungen anschließen. Zum Beispiel wird in diesem Jahr noch der Hellbach-Kanal in Recklinghausen an den AKE angeschlossen, er bringt dann auch eine ganze Menge Abwasser.


Für technisch Interessierte geben wir nachfolgend Informationen der Emschergenossenschaft bekannt.

Funktion der Pumpwerke

Neben dem AKE nimmt die Emschergenossenschaft auch die beiden in rund 40 Metern Tiefe liegenden Abwasser-Pumpwerke in Gelsenkirchen und Bottrop in Betrieb. Wieso überhaupt Pumpwerke? Ganz einfach: Ohne Pumpwerke würde der AKE bei einem Gefälle von 1,5 Promille Dinslaken in einer Tiefe von rund 80 Metern erreichen. Die Pumpwerke sind daher unumgänglich. Entstanden sind sie in gigantischen Baugruben – knapp 50 Meter tief mit einem Durchmesser von ebenfalls fast 50 Metern.

Das Pumpwerk Bottrop ist nahezu identisch mit der Anlage in Gelsenkirchen. Die Funktion in Bottrop ist jedoch die, das Abwasser in die benachbarte Kläranlage der Emschergenossenschaft zu heben. Dafür arbeiten hier 10 Kreiselpumpen, die künftig maximal 8100 Liter pro Sekunde zirka 33 Meter hochpumpen.

Das Pumpwerk Gelsenkirchen geht als erstes in Betrieb. Es hat später, wenn das Gesamtsystem fertig ist, die Funktion, die Abwasserströme auf die Kläranlagen Bottrop und Dinslaken-Emschermündung zu verteilen. 16 Kreiselpumpen befördern in Gelsenkirchen maximal 13.300 Liter pro Sekunde knapp 35 Meter hoch.


Generalprobe

Natürlich wird die Emschergenossenschaft das System vorher einer Generalprobe unterziehen. In Abstimmung mit den Behörden wird Wasser aus dem Rhein-Herne-Kanal in das Pumpwerk Gelsenkirchen eingeleitet – um die Maschinen probeweise anlaufen zu lassen. Das erste Abwasser wird dann aber tatsächlich erst am 24.9. eingeleitet und hochgepumpt werden.

Was passiert im Westen?

Der Abwasserkanal Emscher endet natürlich nicht in Bottrop. Komplett unterirdisch verlegt ist er bereits bis Oberhausen. Den großen finalen Durchstich haben die Flussmanager von der Emscher hier im Juni 2017 gefeiert.

In Betrieb gehen wird das Gesamtsystem, wenn auch die letzten Bausteine fertig sind: Das Pumpwerk Oberhausen etwa, das letzte der drei Pumpwerke, will die Emschergenossenschaft 2020/2021 fertig stellen. Damit das Abwasser aus dem Pumpwerk Oberhausen auch in die drei Kilometer entfernte Kläranlage Dinslaken-Emschermündung ankommt, baut der Wasserverband hier noch am letzten Abschnitt des AKE. Auch hier wird man 2020/2021 fertig sein.

Die Emschergenossenschaft

Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das effizient Aufgaben für das Gemeinwohl mit modernen Managementmethoden nachhaltig erbringt und als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz.

Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,3 Milliarden Euro investiert werden. Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, d.h. von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU über Fördermittel bei.


Hinweis: Zur Vergrößerung der Fotos diese bitte anklicken. Fotos: Emschergenossenschaft (3), MENGEDE:InTakt! 

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