Wandervergnügen auch bei Hitzegraden

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Augustwanderung des Heimatvereins im Mengeder Nord-Westen

Start am Heimathaus

Manchmal ist unser Verhalten schon recht widersprüchlich. Wir fliegen in den sonnigen Süden und entwickeln dort bei hohen Temperaturen Urlaubsgefühle. Wir besuchen eine Sauna mit Temperaturen um 100 Grad und glauben, das Schwitzbad fördere Gesundheit und Entspannung. Doch wenn bei uns, wie in den vergangenen Wochen, das Thermometer Außentemperaturen um 35 Grad anzeigt, stöhnen wir wegen der Hitze. Wir fühlen uns leidend und reduzieren die Aktivitäten auf ein Minimum. Dass man auch bei Hitzegraden dem Wanderhobby nachgehen und dabei noch Spaß haben kann, zeigte die Augustwanderung des Heimatvereins Mengede, bei der immerhin 14 unermüdliche Wanderer den hohen Temperaturen trotzten.  

Zeitiger Start ist angesagt

Um einen großen Teil der Strecke bei nicht ganz so extremen Temperaturen zurückzulegen, starteten wir bereits um 8 Uhr am Heimathaus in Richtung Emscherweg. Hans-Ulrich informierte uns über das am Wege liegende frühere Haus Mengede, von dem nur noch das in jüngster Zeit aufwändig restaurierte Bodendenkmal übrig geblieben ist. Einst stand hier ein mächtiges Wasserschloss, dessen Gräfte von der Emscher gespeist wurde. Nach Unterquerung der A 45 verließen wir die ehemalige Baustraße und kamen wenig später zum Stationskreuz der früheren Fronleichnamsprozessionen, bei dem zwei Bänke zum Verweilen einladen.

Hans-Ulrich erklärt die Stationen und Geschichte der Mengeder Fronleichnams-Prozessionen.

Für uns war aber noch lange keine Pause angesagt, denn wir waren ja eben erst gestartet. Am Hochwasserrückhaltebecken (das jetzt den klangvolleren aber ebenso wenig lokalbezogenen Namen „Emscherauen“ erhalten soll) bewunderten wir die zu dieser morgendlichen Stunde vertretene Vogelwelt mit Enten, Blässrallen und einer stattlichen Anzahl von Graureihern.

Immer einen Druck auf den Auslöser wert: das Hochwasserrückhaltebecken, das zukünftig Emscherauen heißen soll.

Wir folgten der Straße, die, obwohl inzwischen über Castroper Gebiet führend, immer noch Rittershofer Straße heißt, über die Autobahnbrücke und dann nach rechts abbiegend zum ehemaligen Forsthaus. Ich erzählte den  Teilnehmer die Geschichte vom früheren Bewohner Karl Hillebrand, der den samstäglichen Badetag, wenn seine Frau in der Wanne saß, des Öfteren für einen Ausbruch nutzte, der in der Gaststätte „Heideröschen“ auf der Siegenstraße endete. 

Vom heiligen Laurentius zu Birgits Gastro-Bus

Wir blieben auf schattigen Wegen, bis wir aus dem Wald traten und die Laurentius Kapelle im Blick hatten. Dort machten wir sonnengeschützt unsere erste Picknick Pause. Hans-Ulrich berichtete vom jährlich stattfindenden Laurentius-Fest, bei dem auch die Mitglieder des Heimatvereins gern zu Gast sind. Da die Kapelle geschlossen war, beschrieb er das Innere der Kapelle mit der dort vorhandenen Mini-Orgel. Ich erinnerte die Wanderer an den Heiligen Laurentius, der als Märtyrer im Feuer auf einem Eisenrost starb, weil er den Kirchenschatz an die Armen verteilt und nicht an Kaiser Valerian ausgeliefert hatte. Seine Pein konnten wir uns an diesem heißen Tag besonders gut vorstellen. Wir bedauerten, dass das an ihn erinnernde zeitgenössische Kunstwerk an der Mauer des ehemaligen Schulgebäudes gegenüber der Kapelle nach der Renovierung nicht mehr sichtbar ist. 

Picknick an der Laurentiuskapelle. Die Wand im Hintergrund zeigt früher ein Kunstwerk über das leiden des heiligen Laurentius mit aktuellen Bezügen in die Nazi-Zeit.

Wegen der Bauarbeiten auf dem Wirtschaftsweg nahmen wir einen Umweg über die Schulten-, Viktoria- und Ickerner Straße, was unsere Strecke um eine halbe Stunde verlängerte. Den vor der Lohburger Straße nach rechts in Richtung Kanal abzweigenden Waldweg kannte kaum jemand aus der Gruppe, eine Bestätigung dafür, dass es auch bei Wanderungen in der nahen Umgebung immer wieder Neues zu entdecken gibt. Auf dem Wegstück auf dem Leinpfad am Dortmund-Ems-Kanal spendeten uns die Bäume ausreichenden Schatten.

Verdiente Pause im Biergarten von Langers Gastrobus.

Gegen 11.30 Uhr erreichten wir den Gastro-Bus von Birgit Langer mit dem gemütlichen Biergarten vor der eindrucksvollen Industriekulisse des alten Hebewerks aus dem Jahre 1899. Während wir uns bei kühlen Getränken, Bockwürsten und Kuchen ausruhten und stärkten, informierte uns unser Denkmalsexperte Hartmut, bis ins Detail vorbereit wie immer, über das technische Wunderwerk des 19. Jahrhunderts. Durch Nutzung von physikalischen Auftriebskräften schaffte es die damalige Ingenieurkunst, mit einem Minimum von Kraft- und Energieaufwand die tonnenschweren Kanalschiffe auf und ab zu bewegen. Diesen interessanten Vortrag bekam Begleithund Cooper leider nicht mehr mit. Um ihm den Nachmittag über die heiße Plaine der freien landwirtschaftlichen Flächen um Henrichenburg und über glühend heißen Asphalt zu ersparen, wurde er von Frauchen vorsorglich abgeholt.

Durstlöschendes Finale im Heimathaus

Seinen Mitwanderern ersparte der Wanderführer diese Torturen mit dem Hinweis, man sei ja nicht nur zum Vergnügen unterwegs, allerdings nicht. Doch nach der erfrischenden 1,5 stündigen Pause am Hebewerk meisterten alle Teilnehmer diese Herausforderung erstaunlich gut. Trotzdem lag ein deutliches Aufatmen in der Luft, als die Gruppe den nordwestlichen Rand von Ickern erreichte. Jetzt war es nicht mehr weit bis zum Emscherweg, der uns zurück zu den Rückhaltebecken führte. Nun entwickelte die Gruppe eine zunehmende Souveränität, löste sich vom Wanderführer, war nicht mehr zur Kür am nördlichen Beckenrand und oberhalb der Kleingärten bereit, sondern steuerte den direkten Weg zum Heimathaus an, wo kühle Getränke auf die durstigen Wanderer warteten.

Erschöpft und durstig: Die Gruppe beim Abschluss im Heimatverein.

Die Aussicht auf sie hatte den Gruppengeist noch einmal beflügelt und kurz vor Erreichen des jeweiligen körperlichen Limits für eine derartige Temposteigerung gesorgt, dass der Wanderführer abgehängt wurde und als letzter das Ziel erreichte. Obwohl auch ihm zum Schluss die Anstrengungen der 23 Kilometer langen Hitzewanderung anzumerken waren, fand er beim Eintreffen sofort lobende Worte für das Durchhaltevermögen der Gruppe. Denn alle hatten bis zum Schluss durchgehalten, was bei den Witterungsbedingungen sicherlich nicht selbstverständlich war.  

 Tipps für hochsommerliche Wanderungen

  • Ausreichend Flüssigkeit mitnehmen. „Auf Vorrat“ trinken, nicht erst, wenn der Durst da ist.
  • Den Kopf vor der Sonneneinstrahlung schützen. Ein Hut schützt mehr als eine Mütze.
  • Auf den eigenen Körper achten und schattige Plätze zur Pause wählen.
  • Dem Hund Hitzetortouren und glühend heiße Asphaltstrecken ersparen.                  
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