“Leben auf der Müllhalde….”

| Keine Kommentare

Erbarmenswürdige Verhältnisse in einem  Flüchtlingslager an  der Außengrenze der EU in Bosnien – aber Europa schaut weg

Vorbemerkungen
Mengede:InTakt! hat am 11.09.19 einen Artikel des Dortmunder Journalisten Dirk Planert unter dem Titel “Leben auf der Müllhalde….” veröffentlicht. Der Dortmunder Journalist ist mehrfach ausgezeichnet worden (u.a. Goldener Prometheus 2008, “Der Vorleser”Journalistenpreis 2012).
Ein Mitglied unseres Fördervereins MIT steht in Kontakt zu ihm. Zur Zeit hält sich Dirk Planert wieder in Ex-Jugoslawien, wo er sich privat um Hilfe für ein Flüchtlingslager an der Außengrenze der EU in Bosnien kümmert. Vor ca. 14 Tagen hielt er eine Rede vor dem EU-Parlament. Seine Rede liegt Mengede:InTakt! vor und wird nachfolgend in zwei Versionen abgedruckt: Teil I: Langfassung (schwarz und rot markierte Version);Teil II: Kurzfassung: rot markierte Version

Teil I: Langfassung der Rede vor dem EU Parlament ( die rot markierten Teile sind  zusätzlich als gesonderte Kurzfassung  zusammengefasst.)

Sehr verehrte Damen und Herren Parlamentarier, liebe Gäste!

14. Juni 2019. Ein sonniger Freitag. Mein Telefon klingelt. „Die Polizei ist mit Bussen am Camp Bira, sie haben Waffen, die Flüchtlinge müssen einsteigen“, sagt eine aufgeregte Frau am anderen Ende der Leitung. 5 Minuten später stehe ich neben den Bussen, voll mit Menschen, die nicht wissen, was jetzt mit ihnen passiert. Die Busse fahren los, ich hinterher. Der Weg führt aus der Stadt hinaus. Es ist lange her, dass ich so etwas gesehen habe. 25 Jahre. Das war während des Bosnienkrieges. Der Fachbegriff dafür: Deportation. 

Ich bin schon ein paar Tage hier, wegen einer Fotoausstellung mit meinen Bildern von damals. Weil ich wusste, dass viele Flüchtlinge unversorgt sind, hatte ich ein bisschen Geld mitgenommen und noch an diesem Nachmittag Lebensmittel verteilt. An genau die Menschen, die jetzt in den Bussen sitzen. Sie haben keinen Platz mehr in dem IOM-Lager Bira (Internationale Organisation für Migration) bekommen. Das bedeutet: kein Dach über dem Kopf, kein Wasser, kein Essen. Nichts.

Ich wollte 14 Tage bleiben, weiter an meiner Fotoserie arbeiten, alte Freunde besuchen, wo möglich ein bisschen Hilfe leisten. Dann wieder zurück nach Deutschland. Jetzt fahre ich den Bussen hinterher und habe keine Ahnung was passieren wird oder wo es hingeht. 

Nach etwa 10 Kilometern halten die Busse, alle müssen aussteigen. Ich parke und gehe mit Abstand über einen Feldweg hinterher. Mehrere hundert Flüchtlinge, etwa 20 Polizisten und ich. Endstation ist ein elendig stinkender Platz, auf dem überall Müll aus der Erde ragt. Drei größere Zelte stehen herum, vier Wassertanks. Sonst nichts. Ich mache Fotos und filme. Dabei fällt mir etwas auf, das ich am Nachmittag in der Enge bei der Lebensmittelverteilung noch nicht bemerkt hatte. Viele dieser Männer haben eitrige Wunden an den Beinen, viele keine Schuhe. Für zwei von ihnen reicht das Erste Hilfe pack an meiner Fototasche. Dann ist es leer. Die Menschen stehen herum und wissen nicht, was sie hier sollen. Ein kleiner Polizeibus hält direkt vor mir. Die Polizisten rufen ein paar Flüchtlinge herbei. Die müssen einen vor Schmerzen schreienden Mann heraustragen. Er liegt jetzt direkt vor meinen Füßen, ist nicht ansprechbar, seine Augen sind verdreht, er hält beide Hände auf die Stelle, wo der Blinddarm sitzt. Er schreit oder stöhnt immer wieder. Ich sage zu den Polizisten: „Der stirbt uns hier, ruft einen Krankenwagen, bitte!“ Der Beamte zuckt mit den Schultern und fährt weg. In diesem Moment wird mir klar: Hier werden Menschen weggeschmissen. 

Das es eskalieren wird, das lag schon tagelang in der Luft: Aber das? Wie soll man damit rechnen? Das ist eine ehemalige Müllhalde. Vucjak. Vuc bedeuted in der bosnischen Sprache: Wolf. 

Seit zwei Jahren ist Bihac der Brennpunkt der Flüchtlingskrise in Bosnien. Krise, weil alle nach Bihac kommen und viele hier festhängen. Was es in Deutschland 2015 gab, gibt es hier nicht: Solidarität der Städte. Niemand will Flüchtlinge, Bihac sitzt mit dem Problem alleine da. Es gab Einbrüche in Häuser, Schlägereien auf der Straße, über die sozialen Medien hochgepuschte Diebstähle, eine Messerstecherei am helllichten Tag vor dem städtischen Kindergarten. Ich kenne Väter, die ihre Töchter nicht mehr allein in die Stadt gehen lassen. Sie haben Angst. 

Am Anfang haben viele Bürger Flüchtlingen geholfen. Wenn 5 Leute am Tag an Deinem Haus vorbeigehen, die kein Wasser und nichts zu essen haben, dann kannst Du geben. Bei 10 wird es schwierig, wenn Du selbst keinen Job hast oder nur 300 Euro im Monat verdienst. Bei 100 kannst Du noch einzelnen etwas geben. 1000 – wie willst Du das machen? Die Straßen waren voll mit Flüchtlingen, einfach überall. Kollaps. Und die EU: Wie damals im Krieg: Wir saßen in der Innenstadt, wurden von serbischen Militärs mit Panzern und schwerer Artillerie beschossen. Granaten auf Frauen und Kinder – und wen hat das interessiert? Niemanden! Heute ist es wieder so. Europa schaut weg. Das ist ja auch am einfachsten.   

Jetzt steht er Bürgermeister unter Druck. Irgendetwas musste er tun, das haben seine Bürger berechtigt von ihm erwartet. Aber das? Es war seine Entscheidung. 

Dieser erste Tag Vucjak ist nun 151 Tage her. Das sind 4 Monate und 29 Tage. 

Was ist seitdem passiert?

  • Noch am selben Tag habe ich mich entschieden zu bleiben und alles zu tun, was mir möglich ist, diesen Menschen zu helfen. Das auf drei Ebenen: Direkte humanitäre Nothilfe, Information der Medien und Information der europäischen Politik. Auch wenn ich aus genannten Gründen nicht so naiv bin zu glauben, das letzteres wirklich Sinn macht. Trotzdem: Nur auf politischer Ebene kann eine tatsächliche Lösung gefunden werden: Die EU, das Parlament, die Politiker sind die einzige wirkliche Hoffnung. Am notwendigsten war die medizinische Hilfe. Ich habe also am 15. Juni meinen ersten Großeinkauf in einer Apotheke gemacht und bin wieder nach Vucjak gefahren. Von dem Tag an habe ich mit einem Rucksack neben mir im Dreck gesessen und Wunden verbunden. Nachts habe ich Mails geschrieben, Facebookpostings, telefoniert – also angefangen ein Netzwerk aufzubauen. 20 Stunden Arbeitstage. Nach drei Wochen kam die erste Ärztin aus Österreich dazu, dann stellte uns das rote Kreuz Bihac ein Zelt zur Verfügung. Als immer mehr freiwillige Ärzte, Sanitäter und Krankenschwestern aus Deutschland und Österreich kamen, wurde das Zelt größer und wir hatten bei Kosten von 500 Euro täglich etwa 200 Patienten. Macht 2,50 pro Patient. Jeden Tag haben wir zwei bis drei Kisten Bananen mitgenommen. Patienten, die gerade von „the game“ geschunden und verprügelt zurückkamen, hatten teilweise eine Woche nichts mehr gegessen. Die Bananen haben sie verschlungen. Meist hat das Zittern dann schnell aufgehört. Allein an Bananen kommen in dieser Zeit 3,5 Tonnen zusammen. Außerdem haben wir regelmäßig Schuhe und Schlafsäcke gekauft und verteilt, Taschenlampen, Powerbanks für Handys, vereinzelt Geld – eben das, was diese Menschen brauchten. In 105 Tagen waren etwa 40 freiwillige Helfer in unserem Ambulanzzelt tätig. Darunter Menschen wie Dean für mehrere Monate, Johanna für einen Monat, Dr. Wolfgang Heide aus Heidelberg für mehrfach für einigeTage, ein slowenischer Ex Soldat und Sanitäts-Ausbilder zweieinhalb Monate, eine ungarische Kinderärztin für einen Monat und viele andere. 
  • Finanziert wurde das alles über private Spenden. Außerdem kamen Hilfstransporte mit medizinischem Material, Kleidung, Decken, Bargeld. Die großen Hilfsorganisationen waren zwar oft zum doof gucken im Camp, haben sich aber geweigert dort zu arbeiten. Genau das ist ja der Grund, warum wir es gemacht haben. Es gab ja niemanden sonst. Völliges Versagen der Politik und der großen Hilfsorganisationen. Es sind alles Privatpersonen, die hier helfen. Gehen wir, oder geben wir auf, dann ist hier niemand mehr. Einzig das lokale rote Kreuz, das morgens eine Scheibe Brot und nachmittags eine Art Eintopf verteilt. Eine Menge, die einer Vorspeise in einem Restaurant entspricht. Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig.
  • Nach einiger Zeit meldeten sich mit Dietmar Köster, Erik Marquardt und Bettins Vollath die ersten EU Parlamentarier, die sich engagieren wollten. Frau Vollath und Herr Marquardt waren persönlich in Vucjak. Sie wollten es selbst sehen. Europa schaut jetzt nich mehr bloß weg und ignoriert Vucjak. Danke auch für eure Arbeit! Ich erlaube mir ein persönliches Wort: von Herzen Danke! Wo immer ich Ihnen bei ihrer Arbeit helfen kann, werde ich es tun. Wir gehen andere Wege, unser Ziel aber dürfte das selbe sein. 
  • Vucjak war in den Tagesthemen, auf mehreren anderen Kanälen der ARD, im Spiegel, dpa war im Camp, Al Jazzera und Erich Rathfelder höchstpersönlich von der taz war da, die Zeitung „Welt“, sogar die New York Times hat berichtet. Ebenso der österreichische Nachrichtensender Puls 4, viele österreichische Zeitungen, Lokal- und Regionalzeitungen brachten Artikel über unsere Teammitglieder, wenn sie zurückkamen. Die Idee vom 14. Juni hat funktioniert, auf allen drei mir möglichen Ebenen. 
  • Bis zum 27. September. 105 Tage Arbeit lagen hinter uns, der Winter vor uns. Ich war kurz in Österreich, als an einem Mittwochmorgen die Ausländerbehörde in unsere Ambulanz kam. Das Ergebnis: Das gesamte Team musste wegen illegaler Arbeit innerhalb von sieben Tagen das Land verlassen und pro Kopf 150 Euro Strafe zahlen.  Das ist 23 humanitären Helfern so gegangen, seit Anfang 2018. Die Welt hat sich um 180 Grad gedreht. Das Richtige ist plötzlich das Falsche und umgekehrt. Noch im Februar dieses Jahres habe ich die höchste Auszeichnung der Stadt bekommen, die sogenannte Plakette der Stadt Bihac für meine humanitäre Arbeit während des Krieges. 7 Monate später wird mein Team aus dem Land geworfen und muss Strafe zahlen: wegen humanitärer Hilfe. 

Was hat all das genutzt?

Hätte ich diesen Job perfekt gemacht, dann würde es Vucjak schon nicht mehr geben. Das ist mir, das ist uns, leider nicht gelungen. Noch nicht. Wir konnten 105 Tage in Vucjak arbeiten. Das hat mehreren tausend Menschen geholfen. Vucjak ist eigentlich ein Transitcamp. Wenn wir also davon sprechen, das dort etwa eintausend Menschen leben müssen, sind das über die Monate Tausende. Die Grenzen sind nicht zu. Zu ist anders. Unser Habib hat es geschafft. Etwa 20 Jahre alt. Er ist in Paris. Mein kleiner Freund Hussain, er nennt mich father, ebenfalls. Er ist jetzt in Trieste. Mit 18 Jahren fast noch ein Kind. Er kommt aus Pakistan. Er hat mich immer wieder gefragt: „Was soll ich tun, ich habe Angst, Du weißt, die kroatische Polizei“. Ich konnte immer nur sagen: Go game, versuche es. Es ist Deine einzige Chance. Du musst es noch vor dem Winter schaffen“. Hussains Englisch ist besser als meines, er ist intelligent, höflich, eine zarte Seele. Wir haben gestern noch telefoniert. Ein kleiner Junge, etwa 12, hat mir eine Nachricht geschickt, ebenfalls aus Paris. Wir alle, Mitglieder des Teams Vucjak, bekommen solche Nachrichten. Irgendwann schaffen sie es mit viel Glück. Es gibt also einen Abfluss aus dem Flaschenhals Bihac. Von 28.000 Menschen die in diesem Jahr nach Bosnien gekommen sind, hängen jetzt noch 7000 fest. 21.000 haben es also geschafft. Die Grenze ist nicht zu. Einge sind zurückgekehrt nach Griechenland. Aktuell sind etwa besagte 1000 in Vucjak. Es werden immer wieder neue Flüchtlinge in das jungle camp deportiert, es ist eine hohe Fluktuation. Das Vucjak Trauma betrifft also deutlich mehr Menschen, als eintausend. Das ganze Geld für den Schutz der EU Außengrenze bringt nur eines: Ein menschliches Leid, das ein zivilisiertes Europa nicht wollen kann. Dieses Europa ist nicht zivilisiert. Es fördert nicht Menschlichkeit – sondern das Gegenteil. Stiti se heißt es in Bosnien: Schämt Euch. Ja, ich auch, denn ich bin ein 512 Millionstel dieses Europas. Positiv ist der Schutz der EU Außengrenze ausschließlich für Heckler und Koch, für die kroatischen Grenzpolizisten, die Flüchtlingen ihr Geld rauben – bewaffneter Überfall im Wald und natürlich für die Schlepper. Ein einziger Flüchtling bringt ihnen 1000 bis 5000 Euro. Gutes Geschäft. 

Durch unsere Arbeit konnten die Wunden hunderter Menschen heilen, sie hatten keine Schmerzen mehr, mussten nicht mehr hungern oder frieren und vor allem eines: Die Flüchtlinge wurden von uns behandelt wie Menschen, nicht wie Tiere. In ihren Erinnerungen in vielen Jahren wird das möglicherweise das Wichtigste sein. Wichtiger vielleicht als die genähte Wunde oder der Schlafsack. Das weiß ich, weil ich weiß wie sich Menschen heute an meine humanitäre Arbeit während des Krieges erinnern. Das ist 25 Jahre her und anders als ich es erwartet hatte: Nicht vergessen. Wie ein Licht in der Dunkelheit. So haben es mir Bosnier im Februar gesagt, als ich das erste Mal nach dem Krieg zurückgekommen war. Menschlichkeit, darum geht es. Oder noch deutlicher: Liebe am Leben, aber eben nicht nur am eigenen.   

Sie haben uns am 27 September rausgeworfen, was nicht heißt, dass wir unsere Arbeit komplett einstellen mussten. Es sind immer wieder kleine Teams unterwegs, die humanitäre Hilfe liefern, auch an die wenigen lokalen Helfer, die dann die Verteilung übernehmen. Auch jetzt, heute, ist ein Team in Bihac im Einsatz. Deshalb sammeln wir natürlich weiter Geld, um unsere Arbeit auf diesem Weg fortsetzen zu können. In ein paar Tagen geht es wieder los: Dean und ich werden nach Bihac gehen und wieder dortbleiben. Wir arbeiten seit einiger Zeit daran, freiwillige Mitarbeiter einer bosnischen Organisation zu werden. Dann kann man uns nicht mehr wegen illegaler Arbeit vor die Tür setzen. Egal wo wir hingehen, das ganze Netzwerk steht hinter uns und wird uns unterstützen. Es wird sich also auch über den Winter einiges bewegen lassen, so hoffen wir zumindest.

 Der eigentliche Grund für unseren Rauswurf: Wir haben wohl zu viel Aufmerksamkeit nach Vucjak gelenkt, das wollte man nicht mehr. Außerdem gab es Geld: Der Kanton hatte 2 Millionen Euro EU Gelder über Sarajevo erhalten, auch für medizinische Hilfe. Man hat dann, drei Wochen nach unserem Rauswurf, eine Ambulanz in einem naheliegenden Dorf installiert: Arbeitszeit dienstags und donnerstags für jeweils zwei Stunden mit maximal 30 Patienten am Tag: Kosten: 12.500 Euro pro Monat. Macht 781,25 Euro pro Arbeitsstunde für einen Arzt und zwei Schwestern. Das rechnet sich, für wen auch immer. Mittlerweile war MSF in dieser Dorfambulanz einen Kilometer vom Camp entfernt. Jetzt sind sie wieder weg, warum weiß ich nicht. Die Menschen in Vucjak haben keine medizinische Hilfe mehr. 

Eingeladen wurde ich hier hin, um über Vucjak und die Situation der Menschen dort zu sprechen. Wenn ich ihre Phantasie dafür bemühen darf, dann ist das eigentlich ganz einfach. Stellen sie sich vor, sie wären zufällig in Afghanistan oder Pakistan geboren. Taliban haben ihre Freunde ermordet, Drohnen der US Army ihre beiden Brüder, nacheinander, nicht bei einem Angriff im sogenannten Krieg gegen den Terror, der selbst das ist, wogegen er vorgibt zu kämpfen. Was tun sie? Warten, bis sie auch an der Reihe sind? Vermutlich nicht. Dann machen sie sich auf den monate- oder jahrelangen Weg Richtung Europa in der Hoffnung auf Frieden, Arbeit und ein normales Leben. Irgendwann stehen sie vor der Tür zum Ziel. Sie gehen durch, werden von Männern in Uniformen und schwarzen Skimasken im Wald aufgegriffen. Das kennen sie ja schon von den Taliban oder IS. Sie stehen unter Schock, weil ihnen das jetzt im Land der Träume passiert. Die Männer nehmen ihnen Rucksack und Schlafsack ab, verbrennen diese und dann werden sie nach Geld durchsucht. Haben sie welches ist es weg. Dann werden sie zu Boden geprügelt, getreten, geschlagen und wenn sie Pech haben sogar gefoltert. Anders kann man glühendes Metall auf einem Bein nicht nennen. Dann müssen sie Ihre Schuhe ausziehen und werden durch den Wald zurückgetrieben, raus aus der EU, deren Gesetz sagt, dass sie das Recht gehabt hätten, einen Asylantrag zu stellen. Sie sind jetzt wieder vor der Tür, in Bihac City. Ihre Füße bluten. Die bosnische Polizei greift sie auf der Straße auf, steckt sie bei 35 Grad in einen geschlossenen, fensterlosen Polizeibus, der im übrigen von der IOM bezahlt wurde, und deportiert sie dorthin, wo sie ein paar Tage vorher gestartet sind: Vucjak. Dann sitzen sie dort, besitzen eine Hose, ein T-Shirt, sonst nichts. Können sie sich das vorstellen? Was sie nicht wissen können: Wir hier in diesem Saal riechen, unsere Körper riechen. Mancher sogar sehr angenehm. Meine Nase ist in den letzten Monaten nicht gerade verwöhnt worden. Ich nehme das also anders war, als sie. Viele verschiede Menschen. Jeder hat seinen persönlichen einmaligen Geruch. Hier. Nicht in Vucjak. Da stinken wir alle gleich. Nach Vucjak eben. Auch dieser kleine Unterschied löst sich auf, zwischen Müll und monatealten Kothaufen und Urin. Es gibt keine Toiletten. Die Mücken in Vucjak können mit einem einzigen Stich eine lebensgefährliche Sepsis auslösen. Es sind nicht wenige Beine, vielleicht sogar Leben, die unser slowenischer Militärsanitäter gerettet hat. Heute wird das in Vucjak niemand tun. 

Die Information der europäischen Politik ist uns auch gelungen. Das Ergebnis bisher: Null. Ergebnisse messe ich daran, ob sich für auch nur einen Flüchtling etwas verbessert hat. Ich kenne keinen. Deshalb sage ich das so deutlich. Null.

Uns allen dürfte klar sein: Es geht hier um tausende Einzelschicksale, es geht um Flüchtlinge, die Einwohner der Stadt Bihac, um kroatische Polizisten die massenweise und täglich Straftaten begehen und es geht um noch etwas für das es sich aus meiner Sicht auch zu kämpfen lohnt, ja gekämpft werden muss:

Die Idee der europäischen Union. Die EU selbst zerstört sie gerade.

Die Würde eines jeden Menschen zum Beispiel, die Menschenrechte, Freiheit, Frieden. Wenn Du in Vucjak stehst, weißt Du, es ist nichts weiter als wertloses Geschwätz. Würde und Menschenrechte müssen auch für die Menschen vor der Tür gelten. Oder sind das die Anderen – für die all das nicht gilt. Ich hatte einige von ihnen im Arm, als sie geweint haben, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben. Fühlt sich nicht anders an, als wäre es einer von Euch. Das Europa, wie wir es kennen, wird sterben weil die Werte die es zum Leben erweckt haben, mit Füßen getreten werden.

Das muss man mal sacken lassen: Dieses Europa hat Kroatien mit dem Schutz der Grenzen beauftragt und damit, gegen seine eigenen Gesetze zu verstoßen. Das Recht auf Asyl – nicht mal das Papier wert, auf dem es steht.

Politik, besonders die der EU, gehört sicher nicht zu meinen Kernkompetenzen. Ich maße mir nicht an, Antworten zu haben. Aber ich habe Fragen. Vielleicht sind es die Richtigen:

  • Wir Europäer finanzieren die Straftaten und Menschenrechtsverletzungen durch die kroatische und slowenische Polizei? Warum stoppt die EU das nicht?
  • Warum hält man sich nicht einfach an die bestehenden Gesetze: Das Recht auf den Asylantrag in der EU. 7000 in Bosnien, 35.000 in Griechenland. 42.000 Menschen – eine lächerliche Zahl im Verhältnis zur Größenordung der EU mit 512 Millionen Bürgern. Es müssen mindestens in Kroatien, Slowenien, Österreich und Deutschland Camps geschaffen werden, für die Zeit der Prüfung der Asylanträge. Auf der anderen Seite müssen dann natürlich Abschiebungen erfolgen, sonst lässt sich das politisch vermutlich nicht durchsetzen. Aber Menschen in Kriegsgebiete wie Afghanistan abzuschieben kann nicht die richtige Lösung sein. Dort herrschen Krieg und Gewalt. Ich weiß das, weil ich es mit einigen Augen gesehen habe.
  • Warum hat die EU keine Werkzeuge, schnell auf eine humanitäre Krise reagieren zu können? Dieses Werkzeug muss geschaffen werden. Was ist, wenn wir betroffen sind? Wollen wir auch jahrelang auf Hilfe warten?
  • Warum bekommt ausgerechnet Ungarn das meiste Geld aller EU Mitgliedsstaaten? Es gibt kein Werkzeug bei Verstößen gegen EU Gesetzte oder Regeln Geld zu streichen, das heißt Druck machen zu können. Die EU hat sich dadurch zum zahnlosen Tiger gemacht. Kein Balkanland nimmt die EU ernst, aus genau diesem Grund. Unsolidarisches Handeln muss zu Konsequenzen führen, die weh tun. Den Geldhahn zudrehen, das würde weh tun und wie wir alle wissen: durch nichts lernt der Mensch so schnell wie durch Schmerz.
  • Warum schickt man Geld nach Bosnien, ohne zu kontrollieren, was damit passiert? So doof kann man doch eigentlich gar nicht sein. Das Bosnien massiv unter Korruption leidet, das scheint man ausblenden zu wollen.
  • Warum hilft die EU nicht der Stadt Bihac, die die gesamte Last der Flüchtlingskrise allein tragen muss? Die Stadt hat nicht das Geld, um auch nur ansatzweise handlungsfähig zu bleiben. Es ist doch klar, dass es immer weiter eskaliert.

Wir brauchen einen Paradigmenwechsel. Natürlich kann man das alles als Invasion von Flüchtlingen betrachten, wenn man das will. Wir vergessen, dass Migration so alt ist wie der Mensch. Da ist doch nichts Neues daran. Der Wandel ist ein Gesetz der Natur. Sich dagegen zu wehren – Hoffnungslos und auch unnötig. Da kommt ja auch Wissen, Intelligenz, menschliche Energie, Arbeitskraft.  Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn fährt in den Kosovo, um dort Pflegekräfte abzuwerben. Klassisches kolonialistisches Verhalten. Wer soll denn dann in den kosovarischen Altenheimen arbeiten.

Habib und Hussain – die sind so helle Köpfe –  sowas brauchen wir und sie kommen freiwillig. Das ist doch wunderbar. In drei Jahren könnten sie schon Pflegehelfer sein. Aber die beiden sind so helle Köpfe, ich tippe eher auf Medizinstudium. Landärzte fehlen uns ja auch. Diese Menschen sind ein Geschenk für unsere Gesellschaft.

Wir brauchen eine klare Strategie – all das ist ja erst das Vorspiel. Was soll denn an den EU Außengrenzen passieren, wenn Erdogan die Grenzen öffnet und 3,9 Millionen Flüchtlinge Richtung EU ziehen lässt? Wollen wir dann statt Pistolen Maschinengewehre für die Kroaten finanzieren? Wollen wir wirklich, das das Nichthandeln in letzter Konsequenz dazu führt, das Grenzschutz Mord wird?

Allein in diesem Jahr: 20 Tote Flüchtlinge in der Leichenhalle in Bihac – Todesursache bei 16 davon: äußere Gewalteinwirkung. Gefunden wurden die Leichen auf der Route der Flüchtlinge, im Wald und in Flüssen. Wir sind die Täter? Fragt das mal jemand, oder besser, ermittelt da jemand? Nein. Es reicht und zwar schon lange!

Ich gehe zurück. Für jeden Einzelnen dem wir hoffentlich helfen können. Und: ich will meinen Teil dazu beitragen, dass meine, unsere Enkelkinder in 20 Jahren gerne Europäer sind, sich eben nicht dafür schämen müssen und mit reinem Gewissen sagen können:

Ich bin frei und ich bin ein Mensch!

Es ist egal, wo wir arbeiten – direkt vor Ort, in the middle oft the shit oder im Europäischen Parlament: Dafür, so hoffe ich, werden wir zusammenstehen.

Teil II: Kurzfassung der Rede vor dem EU Parlament ( es handelt sich um die rot markierten Stellen aus dem Teil I)

Seit zwei Jahren ist Bihac der Brennpunkt der Flüchtlingskrise in Bosnien. Krise, weil alle nach Bihac kommen und viele hier festhängen. Was es in Deutschland 2015 gab, gibt es hier nicht: Solidarität der Städte. Niemand will Flüchtlinge, Bihac sitzt mit dem Problem alleine da. Es gab Einbrüche in Häuser, Schlägereien auf der Straße, über die sozialen Medien hochgepuschte Diebstähle, eine Messerstecherei am helllichten Tag vor dem städtischen Kindergarten. Ich kenne Väter, die ihre Töchter nicht mehr allein in die Stadt gehen lassen. Sie haben Angst. 

Am Anfang haben viele Bürger Flüchtlingen geholfen. Wenn 5 Leute am Tag an Deinem Haus vorbeigehen, die kein Wasser und nichts zu essen haben, dann kannst Du geben. Bei 10 wird es schwierig, wenn Du selbst keinen Job hast oder nur 300 Euro im Monat verdienst. Bei 100 kannst Du noch einzelnen etwas geben. 1000 – wie willst Du das machen? Die Straßen waren voll mit Flüchtlingen, einfach überall. Kollaps. Und die EU: Wie damals im Krieg: Wir saßen in der Innenstadt, wurden von serbischen Militärs mit Panzern und schwerer Artillerie beschossen. Granaten auf Frauen und Kinder – und wen hat das interessiert? Niemanden! Heute ist es wieder so. Europa schaut weg. Das ist ja auch am einfachsten.   

Was ist zu tun?

  • Nur auf politischer Ebene kann eine tatsäc?hliche Lösung gefunden werden: Die EU, das Parlament, die Politiker sind die einzige wirkliche Hoffnung
  • Die großen Hilfsorganisationen waren zwar oft zum doof gucken im Camp, haben sich aber geweigert dort zu arbeiten. Genau das ist ja der Grund, warum wir es gemacht haben. Es gab ja niemanden sonst. Völliges Versagen der Politik und der großen Hilfsorganisationen.
  • Nach einiger Zeit meldeten sich mit Dietmar Köster, Erik Marquardt und Bettins Vollath die ersten EU Parlamentarier, die sich engagieren wollten. Frau Vollath und Herr Marquardt waren persönlich in Vucjak. Sie wollten es selbst sehen. Europa schaut jetzt nich mehr bloß weg und ignoriert Vucjak. Danke auch für eure Arbeit! Ich erlaube mir ein persönliches Wort: von Herzen Danke! Wo immer ich Ihnen bei ihrer Arbeit helfen kann, werde ich es tun. Wir gehen andere Wege, unser Ziel aber dürfte das selbe sein. 
  • Die Welt hat sich um 180 Grad gedreht. Das Richtige ist plötzlich das Falsche und umgekehrt. Noch im Februar dieses Jahres habe ich die höchste Auszeichnung der Stadt bekommen, die sogenannte Plakette der Stadt Bihac für meine humanitäre Arbeit während des Krieges. 7 Monate später wird mein Team aus dem Land geworfen und muss Strafe zahlen: wegen humanitärer Hilfe.
  • Vucjak ist eigentlich ein Transitcamp. Wenn wir also davon sprechen, das dort etwa eintausend Menschen leben müssen, sind das über die Monate Tausende. Die Grenzen sind nicht zu. Zu ist anders

Das ganze Geld für den Schutz der EU Außengrenze bringt nur eines: Ein menschliches Leid, das ein zivilisiertes Europa nicht wollen kann. Dieses Europa ist nicht zivilisiert. Es fördert nicht Menschlichkeit – sondern das Gegenteil. Stiti se heißt es in Bosnien: Schämt Euch. Ja, ich auch, denn ich bin ein 512 Millionstel dieses Europas. Positiv ist der Schutz der EU Außengrenze ausschließlich für Heckler und Koch, für die kroatischen Grenzpolizisten, die Flüchtlingen ihr Geld rauben – bewaffneter Überfall im Wald und natürlich für die Schlepper. Ein einziger Flüchtling bringt ihnen 1000 bis 5000 Euro. Gutes Geschäft. 

Die Flüchtlinge wurden von uns behandelt wie Menschen, nicht wie Tiere. In ihren Erinnerungen in vielen Jahren wird das möglicherweise das Wichtigste sein. Wichtiger vielleicht als die genähte Wunde oder der Schlafsack. Das weiß ich, weil ich weiß wie sich Menschen heute an meine humanitäre Arbeit während des Krieges erinnern. Das ist 25 Jahre her und anders als ich es erwartet hatte: Nicht vergessen. Wie ein Licht in der Dunkelheit. So haben es mir Bosnier im Februar gesagt, als ich das erste Mal nach dem Krieg zurückgekommen war. Menschlichkeit, darum geht es. Oder noch deutlicher: Liebe am Leben, aber eben nicht nur am eigenen.   

Es sind immer wieder kleine Teams unterwegs, die humanitäre Hilfe liefern, auch an die wenigen lokalen Helfer, die dann die Verteilung übernehmen. Auch jetzt, heute, ist ein Team in Bihac im Einsatz. Deshalb sammeln wir natürlich weiter Geld, um unsere Arbeit auf diesem Weg fortsetzen zu können. In ein paar Tagen geht es wieder los: Dean und ich werden nach Bihac gehen und wieder dortbleiben.

Die Information der europäischen Politik ist uns auch gelungen. Das Ergebnis bisher: Null. Ergebnisse messe ich daran, ob sich für auch nur einen Flüchtling etwas verbessert hat. Ich kenne keinen. Deshalb sage ich das so deutlich. Null. 

Und es geht um noch etwas für das es sich aus meiner Sicht auch zu kämpfen lohnt, ja gekämpft werden muss: 

Die Idee der europäischen Union. Die EU selbst zerstört sie gerade. 

Die Würde eines jeden Menschen zum Beispiel, die Menschenrechte, Freiheit, Frieden. Wenn Du in Vucjak stehst, weißt Du, es ist nichts weiter als wertloses Geschwätz. Würde und Menschenrechte müssen auch für die Menschen vor der Tür gelten. Oder sind das die Anderen – für die all das nicht gilt. Ich hatte einige von ihnen im Arm, als sie geweint haben, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben. Fühlt sich nicht anders an, als wäre es einer von Euch. Das Europa, wie wir es kennen, wird sterben weil die Werte die es zum Leben erweckt haben, mit Füßen getreten werden. 

Das muss man mal sacken lassen: Dieses Europa hat Kroatien mit dem Schutz der Grenzen beauftragt und damit, gegen seine eigenen Gesetze zu verstoßen. Das Recht auf Asyl – nicht mal das Papier wert, auf dem es steht. 

Politik, besonders die der EU, gehört sicher nicht zu meinen Kernkompetenzen. Ich maße mir nicht an, Antworten zu haben. Aber ich habe Fragen. Vielleicht sind es die Richtigen: 

  • Wir Europäer finanzieren die Straftaten und Menschenrechtsverletzungen durch die kroatische und slowenische Polizei? Warum stoppt die EU das nicht?
  • Warum hält man sich nicht einfach an die bestehenden Gesetze: Das Recht auf den Asylantrag in der EU. 7000 in Bosnien, 35.000 in Griechenland. 42.000 Menschen – eine lächerliche Zahl im Verhältnis zur Größenordung der EU mit 512 Millionen Bürgern. Es müssen mindestens in Kroatien, Slowenien, Österreich und Deutschland Camps geschaffen werden, für die Zeit der Prüfung der Asylanträge. Auf der anderen Seite müssen dann natürlich Abschiebungen erfolgen, sonst lässt sich das politisch vermutlich nicht durchsetzen. Aber Menschen in Kriegsgebiete wie Afghanistan abzuschieben kann nicht die richtige Lösung sein. Dort herrschen Krieg und Gewalt. Ich weiß das, weil ich es mit einigen Augen gesehen habe. 
  • Warum hat die EU keine Werkzeuge, schnell auf eine humanitäre Krise reagieren zu können? Dieses Werkzeug muss geschaffen werden. Was ist, wenn wir betroffen sind? Wollen wir auch jahrelang auf Hilfe warten?
  • Warum bekommt ausgerechnet Ungarn das meiste Geld aller EU Mitgliedsstaaten? Es gibt kein Werkzeug bei Verstößen gegen EU Gesetzte oder Regeln Geld zu streichen, das heißt Druck machen zu können. Die EU hat sich dadurch zum zahnlosen Tiger gemacht. Kein Balkanland nimmt die EU ernst, aus genau diesem Grund. Unsolidarisches Handeln muss zu Konsequenzen führen, die weh tun. Den Geldhahn zudrehen, das würde weh tun und wie wir alle wissen: durch nichts lernt der Mensch so schnell wie durch Schmerz. 
  • Warum schickt man Geld nach Bosnien, ohne zu kontrollieren, was damit passiert? So doof kann man doch eigentlich gar nicht sein. Das Bosnien massiv unter Korruption leidet, das scheint man ausblenden zu wollen. 
  • Warum hilft die EU nicht der Stadt Bihac, die die gesamte Last der Flüchtlingskrise allein tragen muss? Die Stadt hat nicht das Geld, um auch nur ansatzweise handlungsfähig zu bleiben. Es ist doch klar, dass es immer weiter eskaliert. 

Wir brauchen einen Paradigmenwechsel. Natürlich kann man das alles als Invasion von Flüchtlingen betrachten, wenn man das will. Wir vergessen, dass Migration so alt ist wie der Mensch. Da ist doch nichts Neues daran. Der Wandel ist ein Gesetz der Natur. Sich dagegen zu wehren – Hoffnungslos und auch unnötig. Da kommt ja auch Wissen, Intelligenz, menschliche Energie, Arbeitskraft.  Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn fährt in den Kosovo, um dort Pflegekräfte abzuwerben. Klassisches kolonialistisches Verhalten. Wer soll denn dann in den kosovarischen Altenheimen arbeiten. 

Wir brauchen eine klare Strategie – all das ist ja erst das Vorspiel. Was soll denn an den EU Außengrenzen passieren, wenn Erdogan die Grenzen öffnet und 3,9 Millionen Flüchtlinge Richtung EU ziehen lässt? Wollen wir dann statt Pistolen Maschinengewehre für die Kroaten finanzieren? Wollen wir wirklich, das das Nichthandeln in letzter Konsequenz dazu führt, das Grenzschutz Mord wird? 

Allein in diesem Jahr: 20 Tote Flüchtlinge in der Leichenhalle in Bihac – Todesursache bei 16 davon: äußere Gewalteinwirkung. Gefunden wurden die Leichen auf der Route der Flüchtlinge, im Wald und in Flüssen. Wir sind die Täter? Fragt das mal jemand, oder besser, ermittelt da jemand? Nein. Es reicht und zwar schon lange! 

Ich gehe zurück. Für jeden Einzelnen dem wir hoffentlich helfen können. Und: ich will meinen Teil dazu beitragen, dass meine, unsere Enkelkinder in 20 Jahren gerne Europäer sind, sich eben nicht dafür schämen müssen und mit reinem Gewissen sagen können: 

Ich bin frei und ich bin ein Mensch!

Es ist egal, wo wir arbeiten – direkt vor Ort, in the middle oft the shit oder im Europäischen Parlament: Dafür, so hoffe ich, werden wir zusammenstehen. 

 

 

   Send article as PDF   

Schreibe einen Kommentar