Damoklesschwert über Groppenbruch

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Abgehaktes Gewerbegebiet wieder ausgegraben

Ein Sommertag am Kanal: Die schöne Seite des Groppenbruch. Foto: Archiv

Das Damoklesschwert schwebt weiter über dem Groppenbruch: Nicht nur das Waltroper Vorhaben „Im Dicken Dören“, sondern auch das vor Jahren bereits abgehakte Kooperationsprojekt mit Lünen, das „Gewerbegebiet Groppenbruch“, könnte Wirklichkeit werden. Im zweiten Fall ist es Dortmund selbst, das den an Naturschutzgebiete angrenzenden, grünen Freiraum opfern würde. Und zwar zugunsten von vorhandenen Industrie- und Gewerbeflächen, mit denen die Stadt reichlich gesegnet ist. Das Planungsamt betont in seiner jetzt im Mengeder Amtshaus präsentierten Vorlage, 270 Hektar Reserve seien „ein komfortables … Potential.“ Warum also ist eine „Eignungsuntersuchung zur Identifizierung neuer Wirtschaftsflächen im Freiraum“ überhaupt nötig?

Die Verwaltung begründet diesen Vorschlag mit einer mittel- bis langfristig absehbaren Verknappung des Flächenangebots. Nicht alle planerisch festgelegten Grundstücke seien geeignet, um nach und nach entwickelt und vermarktet zu werden. Gründe seien vorhandene Altlasten oder eine zu sehr in andere Bebauung integrierte Lage, die auf alten Industrieflächen eine erneute gewerbliche Nutzung erschwerten. Die ursprüngliche Festlegung aufzugeben, könne sinnvoll sein. Damit entstehe allerdings weiterer Bedarf an Industrie- und Gewerbegebieten.

Flächentausch:„Konfliktarme Alternativen“

Die Straße “Im Dicken Dören” führt direkt ins geplante Industrie- und Gewerbegebiet der Stadt Waltrop, direkt an der Grenze zum Groppenbruch. Foto: Archiv

Die Stadtplaner meinen deshalb, „im Zuge der Abwägung sämtlicher…Aspekte sei es erstrebenswert, nach möglichst konfliktarmen Alternativflächen im Stadtgebiet zu suchen.“ Der Flächentausch sei eine Möglichkeit , hier strategisch anzusetzen, so die Verwaltung. Das heißt, die planungsrechtlich gesicherten 270 Hektar dienten als Verhandlungsmasse, „um andernorts eine (ggf. einfacher) realisierbare Entwicklung auf den Weg zu bringen.“ Dies sei bereits im neuen Landesentwicklungsplan hinterlegt und „an bestimmte Voraussetzungen gebunden.“ Geplant sei die Entwicklung eines Tauschkonzeptes. Das Konzept sei „selbstverständlich“ mit den politischen Gremien abzustimmen.

Was die Bezirksvertretung Mengede davon hielt, wurde schnell deutlich. Grünen-Sprecherin Isabella Knappmann forderte:“Kein Flächentausch hinter verschlossenen Türen an uns vorbei!“ SPD und CDU waren sich einig: „Der Groppenbruch muss raus aus der Liste!“ Verwaltungsstellenleiterin Antje Klein informierte das Gremium, der Tausch sei in dem Zusammenhang „problematisch, aber möglich“. Gudrun Feldmann (SPD) gab zu bedenken, dass „schon jetzt der Verkehrskollaps Realität“ sei. Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Gerhard Kuck (CDU) machte klar, dass es bei der Frage Gewerbegebiet Groppenbruch keine Kompromisse geben dürfe: „Nicht wegen der Kosten und der Wirtschaftlichkeit – nein, gar nicht!“

Kommentar: Knabbern am Freiraum

Bis jetzt ist Mengede Dortmunds zweitgrünster Stadtbezirk. Das dies möglichst so bleiben soll, meinen nicht nur Bürgerinnen und Bürger; auch die Fraktionen der Bezirksvertretung sind sich darin einig, dass der Freiraum zwischen dem Dortmunder Nordwesten und den Nachbarstädten Castrop Rauxel, Waltrop und Lünen als Frischluftschneise erhalten bleiben soll. Dennoch droht Stück für Stück davon zu verschwinden.

Es sind nicht nur die Nachbargemeinden, die belastende Projekte wie Windräder, Gewerbe und Industrie bis direkt an die Stadtgrenze heran geplant bzw. verwirklicht haben. Im Dortmunder Rathaus klebt man immer noch am Gewerbegebiet Groppenbruch, aller fachlichen Bedenken und der hohen Kosten zum Trotz. Die Erfordernisse des Klimawandels und der Naturschutz scheinen im Vergleich dazu wenig ins Gewicht zu fallen. Ob allerdings der Flächentausch hier eine „konfliktarme“ Alternative bieten könnte – damit z. B. statt ehemaliger Lagerhäuser schicke Wohnungen, Büros und Gastronomie am Hafen entstehen können, ist fraglich. Die Lokalpolitik des Nordwestens scheint zumindest derzeit nicht gewillt, ein solches Vorhaben einfach abzunicken. Und dass die Groppenbrucher Bürgerinnen und Bürger, die bereits Widerstand gegen das Projekt „Im Dicken Dören“ angekündigt haben, sich widerspruchslos ein weiteres Industrie- und Gewerbegebiet aufladen lassen, darf bezweifelt werden. M. Z.-B.

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