Lichterfest, das seinen Namen verdient hat
An diesem Wochenende bieten das Schloss Bodelschwingh und das Gelände ringsherum wieder das romantisch zauberhafte Ambiente für den „Weihnachtsflair“.

Teil I: Langfassung der Rede vor dem EU Parlament ( die rot markierten Teile sind zusätzlich als gesonderte Kurzfassung zusammengefasst.)
Sehr verehrte Damen und Herren Parlamentarier, liebe Gäste!
14. Juni 2019. Ein sonniger Freitag. Mein Telefon klingelt. „Die Polizei ist mit Bussen am Camp Bira, sie haben Waffen, die Flüchtlinge müssen einsteigen“, sagt eine aufgeregte Frau am anderen Ende der Leitung. 5 Minuten später stehe ich neben den Bussen, voll mit Menschen, die nicht wissen, was jetzt mit ihnen passiert. Die Busse fahren los, ich hinterher. Der Weg führt aus der Stadt hinaus. Es ist lange her, dass ich so etwas gesehen habe. 25 Jahre. Das war während des Bosnienkrieges. Der Fachbegriff dafür: Deportation.
Ich bin schon ein paar Tage hier, wegen einer Fotoausstellung mit meinen Bildern von damals. Weil ich wusste, dass viele Flüchtlinge unversorgt sind, hatte ich ein bisschen Geld mitgenommen und noch an diesem Nachmittag Lebensmittel verteilt. An genau die Menschen, die jetzt in den Bussen sitzen. Sie haben keinen Platz mehr in dem IOM-Lager Bira (Internationale Organisation für Migration) bekommen. Das bedeutet: kein Dach über dem Kopf, kein Wasser, kein Essen. Nichts.
Ich wollte 14 Tage bleiben, weiter an meiner Fotoserie arbeiten, alte Freunde besuchen, wo möglich ein bisschen Hilfe leisten. Dann wieder zurück nach Deutschland. Jetzt fahre ich den Bussen hinterher und habe keine Ahnung was passieren wird oder wo es hingeht.
Nach etwa 10 Kilometern halten die Busse, alle müssen aussteigen. Ich parke und gehe mit Abstand über einen Feldweg hinterher. Mehrere hundert Flüchtlinge, etwa 20 Polizisten und ich. Endstation ist ein elendig stinkender Platz, auf dem überall Müll aus der Erde ragt. Drei größere Zelte stehen herum, vier Wassertanks. Sonst nichts. Ich mache Fotos und filme. Dabei fällt mir etwas auf, das ich am Nachmittag in der Enge bei der Lebensmittelverteilung noch nicht bemerkt hatte. Viele dieser Männer haben eitrige Wunden an den Beinen, viele keine Schuhe. Für zwei von ihnen reicht das Erste Hilfe pack an meiner Fototasche. Dann ist es leer. Die Menschen stehen herum und wissen nicht, was sie hier sollen. Ein kleiner Polizeibus hält direkt vor mir. Die Polizisten rufen ein paar Flüchtlinge herbei. Die müssen einen vor Schmerzen schreienden Mann heraustragen. Er liegt jetzt direkt vor meinen Füßen, ist nicht ansprechbar, seine Augen sind verdreht, er hält beide Hände auf die Stelle, wo der Blinddarm sitzt. Er schreit oder stöhnt immer wieder. Ich sage zu den Polizisten: „Der stirbt uns hier, ruft einen Krankenwagen, bitte!“ Der Beamte zuckt mit den Schultern und fährt weg. In diesem Moment wird mir klar: Hier werden Menschen weggeschmissen.
Das es eskalieren wird, das lag schon tagelang in der Luft: Aber das? Wie soll man damit rechnen? Das ist eine ehemalige Müllhalde. Vucjak. Vuc bedeuted in der bosnischen Sprache: Wolf.
Seit zwei Jahren ist Bihac der Brennpunkt der Flüchtlingskrise in Bosnien. Krise, weil alle nach Bihac kommen und viele hier festhängen. Was es in Deutschland 2015 gab, gibt es hier nicht: Solidarität der Städte. Niemand will Flüchtlinge, Bihac sitzt mit dem Problem alleine da. Es gab Einbrüche in Häuser, Schlägereien auf der Straße, über die sozialen Medien hochgepuschte Diebstähle, eine Messerstecherei am helllichten Tag vor dem städtischen Kindergarten. Ich kenne Väter, die ihre Töchter nicht mehr allein in die Stadt gehen lassen. Sie haben Angst.
Am Anfang haben viele Bürger Flüchtlingen geholfen. Wenn 5 Leute am Tag an Deinem Haus vorbeigehen, die kein Wasser und nichts zu essen haben, dann kannst Du geben. Bei 10 wird es schwierig, wenn Du selbst keinen Job hast oder nur 300 Euro im Monat verdienst. Bei 100 kannst Du noch einzelnen etwas geben. 1000 – wie willst Du das machen? Die Straßen waren voll mit Flüchtlingen, einfach überall. Kollaps. Und die EU: Wie damals im Krieg: Wir saßen in der Innenstadt, wurden von serbischen Militärs mit Panzern und schwerer Artillerie beschossen. Granaten auf Frauen und Kinder – und wen hat das interessiert? Niemanden! Heute ist es wieder so. Europa schaut weg. Das ist ja auch am einfachsten.
Jetzt steht er Bürgermeister unter Druck. Irgendetwas musste er tun, das haben seine Bürger berechtigt von ihm erwartet. Aber das? Es war seine Entscheidung.
Dieser erste Tag Vucjak ist nun 151 Tage her. Das sind 4 Monate und 29 Tage.
Was ist seitdem passiert?
Was hat all das genutzt?
Hätte ich diesen Job perfekt gemacht, dann würde es Vucjak schon nicht mehr geben. Das ist mir, das ist uns, leider nicht gelungen. Noch nicht. Wir konnten 105 Tage in Vucjak arbeiten. Das hat mehreren tausend Menschen geholfen. Vucjak ist eigentlich ein Transitcamp. Wenn wir also davon sprechen, das dort etwa eintausend Menschen leben müssen, sind das über die Monate Tausende. Die Grenzen sind nicht zu. Zu ist anders. Unser Habib hat es geschafft. Etwa 20 Jahre alt. Er ist in Paris. Mein kleiner Freund Hussain, er nennt mich father, ebenfalls. Er ist jetzt in Trieste. Mit 18 Jahren fast noch ein Kind. Er kommt aus Pakistan. Er hat mich immer wieder gefragt: „Was soll ich tun, ich habe Angst, Du weißt, die kroatische Polizei“. Ich konnte immer nur sagen: Go game, versuche es. Es ist Deine einzige Chance. Du musst es noch vor dem Winter schaffen“. Hussains Englisch ist besser als meines, er ist intelligent, höflich, eine zarte Seele. Wir haben gestern noch telefoniert. Ein kleiner Junge, etwa 12, hat mir eine Nachricht geschickt, ebenfalls aus Paris. Wir alle, Mitglieder des Teams Vucjak, bekommen solche Nachrichten. Irgendwann schaffen sie es mit viel Glück. Es gibt also einen Abfluss aus dem Flaschenhals Bihac. Von 28.000 Menschen die in diesem Jahr nach Bosnien gekommen sind, hängen jetzt noch 7000 fest. 21.000 haben es also geschafft. Die Grenze ist nicht zu. Einge sind zurückgekehrt nach Griechenland. Aktuell sind etwa besagte 1000 in Vucjak. Es werden immer wieder neue Flüchtlinge in das jungle camp deportiert, es ist eine hohe Fluktuation. Das Vucjak Trauma betrifft also deutlich mehr Menschen, als eintausend. Das ganze Geld für den Schutz der EU Außengrenze bringt nur eines: Ein menschliches Leid, das ein zivilisiertes Europa nicht wollen kann. Dieses Europa ist nicht zivilisiert. Es fördert nicht Menschlichkeit – sondern das Gegenteil. Stiti se heißt es in Bosnien: Schämt Euch. Ja, ich auch, denn ich bin ein 512 Millionstel dieses Europas. Positiv ist der Schutz der EU Außengrenze ausschließlich für Heckler und Koch, für die kroatischen Grenzpolizisten, die Flüchtlingen ihr Geld rauben – bewaffneter Überfall im Wald und natürlich für die Schlepper. Ein einziger Flüchtling bringt ihnen 1000 bis 5000 Euro. Gutes Geschäft.
Durch unsere Arbeit konnten die Wunden hunderter Menschen heilen, sie hatten keine Schmerzen mehr, mussten nicht mehr hungern oder frieren und vor allem eines: Die Flüchtlinge wurden von uns behandelt wie Menschen, nicht wie Tiere. In ihren Erinnerungen in vielen Jahren wird das möglicherweise das Wichtigste sein. Wichtiger vielleicht als die genähte Wunde oder der Schlafsack. Das weiß ich, weil ich weiß wie sich Menschen heute an meine humanitäre Arbeit während des Krieges erinnern. Das ist 25 Jahre her und anders als ich es erwartet hatte: Nicht vergessen. Wie ein Licht in der Dunkelheit. So haben es mir Bosnier im Februar gesagt, als ich das erste Mal nach dem Krieg zurückgekommen war. Menschlichkeit, darum geht es. Oder noch deutlicher: Liebe am Leben, aber eben nicht nur am eigenen.
Sie haben uns am 27 September rausgeworfen, was nicht heißt, dass wir unsere Arbeit komplett einstellen mussten. Es sind immer wieder kleine Teams unterwegs, die humanitäre Hilfe liefern, auch an die wenigen lokalen Helfer, die dann die Verteilung übernehmen. Auch jetzt, heute, ist ein Team in Bihac im Einsatz. Deshalb sammeln wir natürlich weiter Geld, um unsere Arbeit auf diesem Weg fortsetzen zu können. In ein paar Tagen geht es wieder los: Dean und ich werden nach Bihac gehen und wieder dortbleiben. Wir arbeiten seit einiger Zeit daran, freiwillige Mitarbeiter einer bosnischen Organisation zu werden. Dann kann man uns nicht mehr wegen illegaler Arbeit vor die Tür setzen. Egal wo wir hingehen, das ganze Netzwerk steht hinter uns und wird uns unterstützen. Es wird sich also auch über den Winter einiges bewegen lassen, so hoffen wir zumindest.
Der eigentliche Grund für unseren Rauswurf: Wir haben wohl zu viel Aufmerksamkeit nach Vucjak gelenkt, das wollte man nicht mehr. Außerdem gab es Geld: Der Kanton hatte 2 Millionen Euro EU Gelder über Sarajevo erhalten, auch für medizinische Hilfe. Man hat dann, drei Wochen nach unserem Rauswurf, eine Ambulanz in einem naheliegenden Dorf installiert: Arbeitszeit dienstags und donnerstags für jeweils zwei Stunden mit maximal 30 Patienten am Tag: Kosten: 12.500 Euro pro Monat. Macht 781,25 Euro pro Arbeitsstunde für einen Arzt und zwei Schwestern. Das rechnet sich, für wen auch immer. Mittlerweile war MSF in dieser Dorfambulanz einen Kilometer vom Camp entfernt. Jetzt sind sie wieder weg, warum weiß ich nicht. Die Menschen in Vucjak haben keine medizinische Hilfe mehr.
Eingeladen wurde ich hier hin, um über Vucjak und die Situation der Menschen dort zu sprechen. Wenn ich ihre Phantasie dafür bemühen darf, dann ist das eigentlich ganz einfach. Stellen sie sich vor, sie wären zufällig in Afghanistan oder Pakistan geboren. Taliban haben ihre Freunde ermordet, Drohnen der US Army ihre beiden Brüder, nacheinander, nicht bei einem Angriff im sogenannten Krieg gegen den Terror, der selbst das ist, wogegen er vorgibt zu kämpfen. Was tun sie? Warten, bis sie auch an der Reihe sind? Vermutlich nicht. Dann machen sie sich auf den monate- oder jahrelangen Weg Richtung Europa in der Hoffnung auf Frieden, Arbeit und ein normales Leben. Irgendwann stehen sie vor der Tür zum Ziel. Sie gehen durch, werden von Männern in Uniformen und schwarzen Skimasken im Wald aufgegriffen. Das kennen sie ja schon von den Taliban oder IS. Sie stehen unter Schock, weil ihnen das jetzt im Land der Träume passiert. Die Männer nehmen ihnen Rucksack und Schlafsack ab, verbrennen diese und dann werden sie nach Geld durchsucht. Haben sie welches ist es weg. Dann werden sie zu Boden geprügelt, getreten, geschlagen und wenn sie Pech haben sogar gefoltert. Anders kann man glühendes Metall auf einem Bein nicht nennen. Dann müssen sie Ihre Schuhe ausziehen und werden durch den Wald zurückgetrieben, raus aus der EU, deren Gesetz sagt, dass sie das Recht gehabt hätten, einen Asylantrag zu stellen. Sie sind jetzt wieder vor der Tür, in Bihac City. Ihre Füße bluten. Die bosnische Polizei greift sie auf der Straße auf, steckt sie bei 35 Grad in einen geschlossenen, fensterlosen Polizeibus, der im übrigen von der IOM bezahlt wurde, und deportiert sie dorthin, wo sie ein paar Tage vorher gestartet sind: Vucjak. Dann sitzen sie dort, besitzen eine Hose, ein T-Shirt, sonst nichts. Können sie sich das vorstellen? Was sie nicht wissen können: Wir hier in diesem Saal riechen, unsere Körper riechen. Mancher sogar sehr angenehm. Meine Nase ist in den letzten Monaten nicht gerade verwöhnt worden. Ich nehme das also anders war, als sie. Viele verschiede Menschen. Jeder hat seinen persönlichen einmaligen Geruch. Hier. Nicht in Vucjak. Da stinken wir alle gleich. Nach Vucjak eben. Auch dieser kleine Unterschied löst sich auf, zwischen Müll und monatealten Kothaufen und Urin. Es gibt keine Toiletten. Die Mücken in Vucjak können mit einem einzigen Stich eine lebensgefährliche Sepsis auslösen. Es sind nicht wenige Beine, vielleicht sogar Leben, die unser slowenischer Militärsanitäter gerettet hat. Heute wird das in Vucjak niemand tun.
Die Information der europäischen Politik ist uns auch gelungen. Das Ergebnis bisher: Null. Ergebnisse messe ich daran, ob sich für auch nur einen Flüchtling etwas verbessert hat. Ich kenne keinen. Deshalb sage ich das so deutlich. Null.
Uns allen dürfte klar sein: Es geht hier um tausende Einzelschicksale, es geht um Flüchtlinge, die Einwohner der Stadt Bihac, um kroatische Polizisten die massenweise und täglich Straftaten begehen und es geht um noch etwas für das es sich aus meiner Sicht auch zu kämpfen lohnt, ja gekämpft werden muss:
Die Idee der europäischen Union. Die EU selbst zerstört sie gerade.
Die Würde eines jeden Menschen zum Beispiel, die Menschenrechte, Freiheit, Frieden. Wenn Du in Vucjak stehst, weißt Du, es ist nichts weiter als wertloses Geschwätz. Würde und Menschenrechte müssen auch für die Menschen vor der Tür gelten. Oder sind das die Anderen – für die all das nicht gilt. Ich hatte einige von ihnen im Arm, als sie geweint haben, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben. Fühlt sich nicht anders an, als wäre es einer von Euch. Das Europa, wie wir es kennen, wird sterben weil die Werte die es zum Leben erweckt haben, mit Füßen getreten werden.
Das muss man mal sacken lassen: Dieses Europa hat Kroatien mit dem Schutz der Grenzen beauftragt und damit, gegen seine eigenen Gesetze zu verstoßen. Das Recht auf Asyl – nicht mal das Papier wert, auf dem es steht.
Politik, besonders die der EU, gehört sicher nicht zu meinen Kernkompetenzen. Ich maße mir nicht an, Antworten zu haben. Aber ich habe Fragen. Vielleicht sind es die Richtigen:
Wir brauchen einen Paradigmenwechsel. Natürlich kann man das alles als Invasion von Flüchtlingen betrachten, wenn man das will. Wir vergessen, dass Migration so alt ist wie der Mensch. Da ist doch nichts Neues daran. Der Wandel ist ein Gesetz der Natur. Sich dagegen zu wehren – Hoffnungslos und auch unnötig. Da kommt ja auch Wissen, Intelligenz, menschliche Energie, Arbeitskraft. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn fährt in den Kosovo, um dort Pflegekräfte abzuwerben. Klassisches kolonialistisches Verhalten. Wer soll denn dann in den kosovarischen Altenheimen arbeiten.
Habib und Hussain – die sind so helle Köpfe – sowas brauchen wir und sie kommen freiwillig. Das ist doch wunderbar. In drei Jahren könnten sie schon Pflegehelfer sein. Aber die beiden sind so helle Köpfe, ich tippe eher auf Medizinstudium. Landärzte fehlen uns ja auch. Diese Menschen sind ein Geschenk für unsere Gesellschaft.
Wir brauchen eine klare Strategie – all das ist ja erst das Vorspiel. Was soll denn an den EU Außengrenzen passieren, wenn Erdogan die Grenzen öffnet und 3,9 Millionen Flüchtlinge Richtung EU ziehen lässt? Wollen wir dann statt Pistolen Maschinengewehre für die Kroaten finanzieren? Wollen wir wirklich, das das Nichthandeln in letzter Konsequenz dazu führt, das Grenzschutz Mord wird?
Allein in diesem Jahr: 20 Tote Flüchtlinge in der Leichenhalle in Bihac – Todesursache bei 16 davon: äußere Gewalteinwirkung. Gefunden wurden die Leichen auf der Route der Flüchtlinge, im Wald und in Flüssen. Wir sind die Täter? Fragt das mal jemand, oder besser, ermittelt da jemand? Nein. Es reicht und zwar schon lange!
Ich gehe zurück. Für jeden Einzelnen dem wir hoffentlich helfen können. Und: ich will meinen Teil dazu beitragen, dass meine, unsere Enkelkinder in 20 Jahren gerne Europäer sind, sich eben nicht dafür schämen müssen und mit reinem Gewissen sagen können:
Ich bin frei und ich bin ein Mensch!
Es ist egal, wo wir arbeiten – direkt vor Ort, in the middle oft the shit oder im Europäischen Parlament: Dafür, so hoffe ich, werden wir zusammenstehen.

Teil II: Kurzfassung der Rede vor dem EU Parlament ( es handelt sich um die rot markierten Stellen aus dem Teil I)
Seit zwei Jahren ist Bihac der Brennpunkt der Flüchtlingskrise in Bosnien. Krise, weil alle nach Bihac kommen und viele hier festhängen. Was es in Deutschland 2015 gab, gibt es hier nicht: Solidarität der Städte. Niemand will Flüchtlinge, Bihac sitzt mit dem Problem alleine da. Es gab Einbrüche in Häuser, Schlägereien auf der Straße, über die sozialen Medien hochgepuschte Diebstähle, eine Messerstecherei am helllichten Tag vor dem städtischen Kindergarten. Ich kenne Väter, die ihre Töchter nicht mehr allein in die Stadt gehen lassen. Sie haben Angst.
Am Anfang haben viele Bürger Flüchtlingen geholfen. Wenn 5 Leute am Tag an Deinem Haus vorbeigehen, die kein Wasser und nichts zu essen haben, dann kannst Du geben. Bei 10 wird es schwierig, wenn Du selbst keinen Job hast oder nur 300 Euro im Monat verdienst. Bei 100 kannst Du noch einzelnen etwas geben. 1000 – wie willst Du das machen? Die Straßen waren voll mit Flüchtlingen, einfach überall. Kollaps. Und die EU: Wie damals im Krieg: Wir saßen in der Innenstadt, wurden von serbischen Militärs mit Panzern und schwerer Artillerie beschossen. Granaten auf Frauen und Kinder – und wen hat das interessiert? Niemanden! Heute ist es wieder so. Europa schaut weg. Das ist ja auch am einfachsten.
Was ist zu tun?
Das ganze Geld für den Schutz der EU Außengrenze bringt nur eines: Ein menschliches Leid, das ein zivilisiertes Europa nicht wollen kann. Dieses Europa ist nicht zivilisiert. Es fördert nicht Menschlichkeit – sondern das Gegenteil. Stiti se heißt es in Bosnien: Schämt Euch. Ja, ich auch, denn ich bin ein 512 Millionstel dieses Europas. Positiv ist der Schutz der EU Außengrenze ausschließlich für Heckler und Koch, für die kroatischen Grenzpolizisten, die Flüchtlingen ihr Geld rauben – bewaffneter Überfall im Wald und natürlich für die Schlepper. Ein einziger Flüchtling bringt ihnen 1000 bis 5000 Euro. Gutes Geschäft.
Die Flüchtlinge wurden von uns behandelt wie Menschen, nicht wie Tiere. In ihren Erinnerungen in vielen Jahren wird das möglicherweise das Wichtigste sein. Wichtiger vielleicht als die genähte Wunde oder der Schlafsack. Das weiß ich, weil ich weiß wie sich Menschen heute an meine humanitäre Arbeit während des Krieges erinnern. Das ist 25 Jahre her und anders als ich es erwartet hatte: Nicht vergessen. Wie ein Licht in der Dunkelheit. So haben es mir Bosnier im Februar gesagt, als ich das erste Mal nach dem Krieg zurückgekommen war. Menschlichkeit, darum geht es. Oder noch deutlicher: Liebe am Leben, aber eben nicht nur am eigenen.
Es sind immer wieder kleine Teams unterwegs, die humanitäre Hilfe liefern, auch an die wenigen lokalen Helfer, die dann die Verteilung übernehmen. Auch jetzt, heute, ist ein Team in Bihac im Einsatz. Deshalb sammeln wir natürlich weiter Geld, um unsere Arbeit auf diesem Weg fortsetzen zu können. In ein paar Tagen geht es wieder los: Dean und ich werden nach Bihac gehen und wieder dortbleiben.
Die Information der europäischen Politik ist uns auch gelungen. Das Ergebnis bisher: Null. Ergebnisse messe ich daran, ob sich für auch nur einen Flüchtling etwas verbessert hat. Ich kenne keinen. Deshalb sage ich das so deutlich. Null.
Und es geht um noch etwas für das es sich aus meiner Sicht auch zu kämpfen lohnt, ja gekämpft werden muss:
Die Idee der europäischen Union. Die EU selbst zerstört sie gerade.
Die Würde eines jeden Menschen zum Beispiel, die Menschenrechte, Freiheit, Frieden. Wenn Du in Vucjak stehst, weißt Du, es ist nichts weiter als wertloses Geschwätz. Würde und Menschenrechte müssen auch für die Menschen vor der Tür gelten. Oder sind das die Anderen – für die all das nicht gilt. Ich hatte einige von ihnen im Arm, als sie geweint haben, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben. Fühlt sich nicht anders an, als wäre es einer von Euch. Das Europa, wie wir es kennen, wird sterben weil die Werte die es zum Leben erweckt haben, mit Füßen getreten werden.
Das muss man mal sacken lassen: Dieses Europa hat Kroatien mit dem Schutz der Grenzen beauftragt und damit, gegen seine eigenen Gesetze zu verstoßen. Das Recht auf Asyl – nicht mal das Papier wert, auf dem es steht.
Politik, besonders die der EU, gehört sicher nicht zu meinen Kernkompetenzen. Ich maße mir nicht an, Antworten zu haben. Aber ich habe Fragen. Vielleicht sind es die Richtigen:
Wir brauchen einen Paradigmenwechsel. Natürlich kann man das alles als Invasion von Flüchtlingen betrachten, wenn man das will. Wir vergessen, dass Migration so alt ist wie der Mensch. Da ist doch nichts Neues daran. Der Wandel ist ein Gesetz der Natur. Sich dagegen zu wehren – Hoffnungslos und auch unnötig. Da kommt ja auch Wissen, Intelligenz, menschliche Energie, Arbeitskraft. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn fährt in den Kosovo, um dort Pflegekräfte abzuwerben. Klassisches kolonialistisches Verhalten. Wer soll denn dann in den kosovarischen Altenheimen arbeiten.
Wir brauchen eine klare Strategie – all das ist ja erst das Vorspiel. Was soll denn an den EU Außengrenzen passieren, wenn Erdogan die Grenzen öffnet und 3,9 Millionen Flüchtlinge Richtung EU ziehen lässt? Wollen wir dann statt Pistolen Maschinengewehre für die Kroaten finanzieren? Wollen wir wirklich, das das Nichthandeln in letzter Konsequenz dazu führt, das Grenzschutz Mord wird?
Allein in diesem Jahr: 20 Tote Flüchtlinge in der Leichenhalle in Bihac – Todesursache bei 16 davon: äußere Gewalteinwirkung. Gefunden wurden die Leichen auf der Route der Flüchtlinge, im Wald und in Flüssen. Wir sind die Täter? Fragt das mal jemand, oder besser, ermittelt da jemand? Nein. Es reicht und zwar schon lange!
Ich gehe zurück. Für jeden Einzelnen dem wir hoffentlich helfen können. Und: ich will meinen Teil dazu beitragen, dass meine, unsere Enkelkinder in 20 Jahren gerne Europäer sind, sich eben nicht dafür schämen müssen und mit reinem Gewissen sagen können:
Ich bin frei und ich bin ein Mensch!
Es ist egal, wo wir arbeiten – direkt vor Ort, in the middle oft the shit oder im Europäischen Parlament: Dafür, so hoffe ich, werden wir zusammenstehen.

Wie MENGEDE: InTakt! bereits berichtet hat, findet am morgigen Sonntag, 1.12.2019 um 17.00 Uhr in der der katholischen Kirche St. Remigius ein Adventskonzert statt. Seit heute Nachmittag sind die „dezentralen“ Generalproben angesetzt, ab morgen Mittag wird dann gemeinsam noch einmal in der kath. Kirche in Mengede geprobt, ehe das Konzert um 17.00 Uhr mit einem Grußwort von Bürgermeister Sauer eröffnet wird.
… so lautet der Titel einer Foto-Serie in der sog. „Slight-Show“ auf der Titelseite von MIT von unserer Fotografin Silvia Rzadkowski. Wir fanden, dass die Fotos an dieser Stelle nicht angemessen zur Wirkung kommen – weil zu klein und zu flüchtig. Deswegen präsentieren wir die Bilder bis Ende des Monats täglich auch in unserer Serie „Fotos des Tages“ – heute die 2.Folge.
Die Fotos sind übrigens am Wehr Westfalia in unserer Nachbargemeinde Lünen entstanden.

Wie im Vorjahr gibt es an den Verkaufsständen wieder viele interessante Angebote.
Am zweiten Adventswochenende ist es wieder soweit. Am 7.12. um 14.00 Uhr beginnt der nun schon zur Tradition gewordene Mengeder Adventsmarkt im alten Ortskern rund um die historische evangelische St. Remigiuskirche.

Am 2. Adventssonntag gibt die Heider Spielgruppe unter der Leitung von Karl-Heinz Poppe das erste Weihnachtskonzert in ihrer 40-jährigen Geschichte. Lange haben die Akkordeonisten dieses Projekt geplant, um es am Sonntag, 8.12.,um 17.00 Uhr in der katholischen St. Remigius Kirche endlich in die Tat umzusetzen.
… so lautet der Titel einer Foto-Serie in der sog. „Slight-Show“ auf der Titelseite von MIT von unserer Fotografin Silvia Rzadkowski. Wir fanden, dass die Fotos an dieser Stelle nicht angemessen zur Wirkung kommen – weil zu klein und zu flüchtig. Deswegen präsentieren wir die Bilder bis Ende des Monats täglich auch in unserer Serie „Fotos des Tages“.

Es dürfte sicher ein besonderes Ereignis des diesjährigen Nikolausmarktes in Mengede werden. Auf Anregung der Organisatoren der Veranstaltung wird die Post im Heimathaus an beiden Tagen ein mobiles Postamt einrichten, in dem Briefe abgestempelt werden können. Der besondere Clou dieses Ereignisses: Die Briefe können mit eigens für diesen Anlass erstellten Sonderbriefmarken freigemacht werden.


Eine erste Klasse der Schopenhauer Grundschule hatte gestern am 25.11.219 ab 9.30 Uhr einen ganz besonderen Unterricht. Da begann im Amtshaus Mengede die spannende Aufgabe, einen mindest drei Meter hohen Weihnachtsbaum mit selbstgebastelten Weihnachtsschmuck zu behängen. Da die Kinder mit solch einem „Baumriesen“ nicht gerechnet hatten, mussten die Chefs des Amtshauses – Antje Klein und Willy Tölch – nicht nur für geeigneten Nachschub sorgen, auch technisches Gerät war erforderlich, um in die höheren Regionen zu gelangen.


RomanRofalski gab den ZuhörerInnen immer wieder Informationen zu den gespielten Werken und seinen Intentionen.
„Heute geht’s kreuz und quer durch die Zeiten und Genres der Klavierliteratur, auf dem Programmzettel können Sie Namen wie Domenico Scarlatti, Niccoló Paganini, Johannes Brahms oder Maurice Ravel lesen, dazu noch Bill Evans und Frederic Rzewski, und dazwischen immer wieder Nicolai Kapustin.“ Mit diesen Worten begrüßte die künstlerische Leiterin Elisabeth Sedlack-Zeidler die Zuhörer bei der „Musik im Amtshaus“ am vergangenen Samstagabend.

Kein Mensch braucht Venedig wirklich, außer natürlich den Kreuzfahrern und ihren Sklaven. Echt jetzt. Venedig, die Prostituierte des Tourismus, sollte untergehen, ganz, ganz schnell und besser heute als morgen. Erstens, weil wir wirklich alles gemalt oder fotografiert haben. Milliarden Bilder! Wir haben gefilmt, erzählt, aufgeschrieben und den Rest auf Youtube gespeichert.

Was haben die Wand der Liebe, der Penrose-Kachelboden, das Badehaus der Zeche Schleswig und der Freiluft-Tanzplatz im Westpark mit dem Mengeder Heimatwald gemeinsam? All diese Orte in Dortmund – und 106 weitere – zeichnen sich durch ihre Besonderheit aus und sind einen Besuch wert.